KONZEPTION

 

 

 

    Integrative Kindertagesstätte

 

BAD KREUZNACH

 

George-Marshall-Straße 2

 

 

LEBENSHILFE BAD KREUZNACH e.V.

 

 


 

 

Gliederung der Konzeption

 

1.      Leitbild

 

2.      Eckdaten

 

2.1.Geschichte

 

2.2.Einzugsgebiet

 

2.3.Standort in Bad Kreuznach

 

3.      Die Gruppen–Modelle

 

4.      Öffnungs- und Schließzeiten

 

5.      Unser Haus

 

6.      Unser Team

 

7.      Übergreifende Konzepte

 

8.      Pädagogisches Selbstverständnis und Kernaufgaben

 

9.      Querschnittsthemen der pädagogischen Arbeit

 

9.1.Eingewöhnung

 

9.2.Transitionen – Gestaltung von Übergängen

 

9.3.Freies Lernen und gezielte Förderangebote

 

9.4.Ruhe und Entspannung

 

9.5.Körperlichkeit und geschlechtssensible Pädagogik

 

9.6.Projekte

 

9.7.Beobachtung und Dokumentation

 

9.8.Portfolio

 

9.9.Feste

 

9.10.       Verpflegung

 

10.  Unsere Tagesstruktur

 

11.  Krippe und ihre Pädagogik

 

11.1     Die drei Säulen der Pikkler Pädagogik

 

11.2     Die Eingewöhnung in Anlehnung an das Münchener Modell

 

12.  Die Kindergartengruppen

 

12.1     Die heilpädagogischen Gruppen

 

12.2     Die integrativen Gruppen

 

13.  Aufsichtspflicht , Kindeswohl und Notfallplan

 

14.  Bildungs- und Erziehungspartnerschaft

 

14.1.       Gesprächsformen

 

14.2.       Elternausschuss

 

15.  Beschwerdemanagement für Kinder und Eltern

 

16.  Therapien im Kindergarten

 

16.1     Physiotherapie und Bewegungsförderung

 

16.2     Fachbereich Psychologie/Physiotherapie

 

16.3     Heilpädagogische Therapie

 

17.  Zusammenarbeit mit Schulen

 

18.  Kooperationen

 

19.  Anhang

 

 

 

 

 

1.  Unser Leitbild

 

 

 

„Wir gehen grundsätzlich vom Wohlwollen im menschlichen Miteinander aus.

 

Wir respektieren die Unterschiedlichkeit aller Menschen, soweit sie das „Wir“ nicht beeinträchtigt. Es gibt keine „Blaupause“ für die Arbeit mit Menschen. Unsere Arbeit ist ein „Lebenslernbuch“. Täglich neu, von Mensch zu Mensch anders, sind Einfallsreichtum und schöpferische Kraft gefragt. Das Lebendige ist größer als wir alle zusammen. Deshalb verstehen wir uns selbst als Lernende. Nationalität, Geschlecht und Religion sind für gute Arbeit und gemeinsames Leben nicht entscheidend.

 

Dies gilt sowohl für die Zusammenarbeit mit den uns anvertrauten Menschen, als auch für deren Angehörige und gesetzlichen VertreterInnen, unsere MitarbeiterInnen, Mitglieder und institutionellen PartnerInnen.“

 

 

 

Wohlwollen in der Arbeit mit uns anvertrauten Menschen

 

 

 

„ Im Kindesalter steht dabei die Förderung von Teilhabefähigkeiten im Vordergrund, mit dem Ziel, eigenständiger für sich und in der Gemeinschaft handeln und verstehen zu lernen. Wohlwollen heißt für uns, achtsam zu sein für das, was das einzelne Kind jetzt braucht, auch wenn es dies nicht passend ausdrücken kann und dafür, wie wir dies mit Rücksicht auf die Gemeinschaft jetzt oder zu einem alternativen Zeitpunkt umsetzen können. Wir melden dies dem Kind zurück und bieten Lösungen an, die für die Situation angemessen sind. Wenn wir ein Verhalten nicht verstehen, suchen wir in internen Beratungsgesprächen gemeinsam nach Lösungen.“

 

 

 

Unser komplettes Leitbild finden Sie im Anhang

 

 

 

2.  Eckdaten

 

 

 

2.1    Zur Geschichte unserer Kita

 

 

 

Die Lebenshilfe Bad Kreuznach e.V. wurde 1965 gegründet und hat mittlerweile über 50 Jahre Erfahrung in der Förderung von Kindern mit Behinderungen und deren unterschiedlichsten Entwicklungsbedarfen.

 

Nach anfänglichen Pionierzeiten an unterschiedlichen Standorten in Stadt und Kreis Bad Kreuznach fand unser damaliger Sonderkindergarten 1974 im Kreuznacher Förderschulzentrum in der Ellerbachstraße 17 sein Zuhause. Dabei entwickelten wir das Angebot der heilpädagogischen Kindertagestätte stets weiter. 1992 genügten die 40 Plätze der  5 heilpädagogischen Gruppen nicht mehr, der gestiegenen Nachfrage im Kreis gerecht zu werden. Auch um den Familien im Kirner Raum räumlich näher zu kommen, wurde ein zweiter Förderkindergarten in Simmertal mit 16 Plätzen in Betrieb genommen. 2005 erhielten die beiden Förderkindergärten ein neues Logo und konnten unter dem Namen Föki das heilpädagogische Konzept weiter ausdifferenzieren. Nach Umbaumaßnahmen und Renovierungen von 2010-2011 des Simmertaler Fökis wurde 2012 deutlich, dass das Gebäude des  Kreuznacher Fökis in der Ellerbachstraße zeitgemäß nicht weiter

 

 

 

zu entwickeln war. Jetzt wurde der Entschluss gefasst, den Kreuznacher Föki umzuwandeln und für jüngere und auch für Kinder ohne Beeinträchtigung zu öffnen. … und dann dauerte es noch bis der Spatenstich 2017 vollzogen werden konnte für die neue Integrative Kita in der George-Marshall-Straße 2.

 

 

 

2.2    Unser Einzugsgebiet

 

 

 

Wir nehmen Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet von Bad Kreuznach auf. Die Plätze für Kinder mit drohender oder bestehender Behinderung halten wir für Mädchen und Jungs  aus Stadt und Kreis Bad Kreuznach zur Verfügung.  Diese Kinder werden mit dem Fahrdienst abgeholt.

 

Die Buslinien sind zeitlich und räumlich begrenzt, so dass wir Kinder aus Ortschaften der angrenzenden Nachbarkreise auch nur räumlich eingeschränkt aufnehmen können.

 

Grundsätzlich werden in unserer neuen Kindertagesstätte aus dem Regelbereich in den integrativen Gruppen und in der Krippe nur Kinder aus dem Stadtgebiet aufgenommen.

 

 

 

Für den westlichen Bereich des Kreises Bad Kreuznach - Region Kirn/Bad Sobernheim - bietet die Lebenshilfe Bad Kreuznach auch in Zukunft mit dem Föki in Simmertal 16 Plätze für Kinder mit Förderbedarf. Diese Kinder werden, ebenso wie die Kinder, die die Einrichtung in Bad Kreuznach besuchen, von unserem Beförderungsdienst in den Föki gebracht und abgeholt.

 

 

 

2.3  Unser Standort in Bad Kreuznach

 

 

 

Unsere neue Integrative Kita liegt am Rande des Gewerbeparks General Rose, einem eingeschränkten Gewerbegebiet nahe der Innenstadt mit vielfältigen Dienstleistungsangeboten, Gesundheitszentren und einem großzügig angelegten Bürgerpark.

 

Auf einem Grundstück von insgesamt 5.419 m² verfügen wir dort über ein Gebäude mit 1.368 m² und Spielflächen von etwa 1.600 m² für 64 Kinder.

 

Dazu kommen Grünflächen, Gehwege, Parkplätze und ein „kleines Terminal“ für die 7 Busse.

 

 

 

 

 

3.  Die Gruppen-Modelle

 

 

 

Bad Kreuznach

 

 

 

3 Modelle für 64 Kinder

 

 

 

Mit unserem Haus geben wir drei  Gruppenmodellen ein Dach:

 

Einer Krippe, zwei integrativen Gruppen und drei Heilpädagogische Gruppen verbunden mit Fluren,

 

flankiert mit zusätzlichen Bildungs- und Begegnungsräumen für Erleben, Therapien, Beratung, Versorgung, Organisation.

 

 

 

·         eine Krippengruppe

 

 

 

- für bis zu 10 Kinder im Alter von etwa 6 Monaten  bis 3 Jahren.

 

Die Krippe hat einen heilpädagogischen Schwerpunkt. Das bedeutet, es können bis zu 2  Kinder mit Beeinträchtigung aufgenommen werden, wenn die Reduzierung der Gruppenplatzzahl umsetzbar ist.

 

Die Altersmischung der Krippe beträgt idealerweise etwa 1/3 pro Lebensjahr, um eine gute pädagogische Qualität bieten zu können. Hierfür stehen mindestens 2 Erzieherstellen zu Verfügung.

 

 

 

·         zwei  Integrative Gruppen

 

 

 

- für 30 Kinder mit und ohne Beeinträchtigung im Alter von 2 Jahren bis zur Einschulung.

 

Hier werden pro Gruppe 15 Kinder (davon  5 Kinder mit Beeinträchtigung) mit einem Stellenumfang von mindestens 2 Erzieherstellen betreut, plus bedarfsspezifische, Kind bezogene Betreuungskräfte (Einzelfallhilfe).

 

In diese beiden Gruppen dürfen je 2 Kinder ab 2 Jahren aufgenommen werden.

 

 

 

·         drei Heilpädagogische Gruppen

 

 

 

- für 24 Kinder mit drohender oder bestehender Behinderung im Alter von 2 Jahren bis zur

 

  Einschulung.

 

Hier werden pro Gruppe 8 Kinder mit Beeinträchtigung mit einem Stellenumfang von mindestens 2 Erzieherstellen betreut und gefördert, plus zusätzliche bedarfsspezifische, Kind bezogene Betreuungskräfte. 

 

Die Gruppenzusammensetzung richtet sich sowohl nach der Nachfrage als auch  nach den Bedarfen der Kinder sowie  der Leistbarkeit der Betreuung und wird nach Absprache mit den Gruppenteams von der Leitung bestimmt.

 

 

 

Bad Kreuznach im Überblick:

 

 

 

Gruppenform

Alter

Gruppenstärke

Betreuungsform

 

Krippe

 

ab 6 Monaten

bis maximal 3 Jahren

1 Gruppe für 10 Kinder

2 Kinder mit Förderbedarf bei Gruppenreduzierung möglich

Ausschließlich Ganztagsbetreuung

 

Integrative

Gruppe

 

ab 2 Jahren

bis zur Einschulung

2 Gruppen für je 15 Kinder, davon je 5 Kinder mit Förderbedarfen

 

Heilpädagogische Gruppe

 

ab 2 Jahren

bis zur Einschulung

3 Gruppen für je 8 Kinder Förderbedarfen

 

 

 

Simmertal:

 

Hier gibt es zwei heilpädagogische Gruppen mit je 8 Kindern.

 

Wir haben  in den heilpädagogischen Gruppen sowohl in Bad Kreuznach als auch in Simmertal  einen Stellenschlüssel von einer Fachkraft  zu drei  Kindern beantragt, um unsere Arbeit hochwertig qualifiziert durchführen zu können.

 

Die nun im Folgenden beschriebenen Informationen beziehen sich auf die integrative Kita in Bad Kreuznach. Alle weiteren konzeptionellen Informationen zum Föki Simmertal sind im Anhang in der bereits existierenden Konzeption „ für Kinder, die mehr brauchen“ zu finden, nach dem der Föki Simmertal weiter hochqualifiziert arbeitet.

 

Generell arbeiten wir stets in enger  Kooperation mit dem Föki Simmertal.

 

Hol-und- Bring-Situation

 

 

 

Die Hol-und-Bring-Situation für Kinder mit und ohne Behinderungen unterscheidet sich dahingehend, dass die Kinder mit Behinderungen vom Fahrdienst zu Hause abgeholt und nach Hause gebracht werden. Optimal wäre für jeden Bus neben dem Fahrer eine Busbegleitung. Es wird mit 7 Kleinbussen („Sprinter“) gerechnet, die zur gleichen Zeit im Kindergarten an- und abfahren: Morgens kurz vor 8:45 Uhr und mittags kurz nach 15:10 Uhr. Hierzu dient ein kleines „Busterminal“/eine Busspur. Ein Zaun zur Straße verhindert das Weglaufen.

 

 

 

Die Mädchen und Jungen ohne Beeinträchtigungen werden von ihren Familienmitgliedern gebracht und abgeholt.

 

Wenn die Mädchen und Jungen gebracht oder abgeholt werden, ist uns die persönliche Übergabe sehr wichtig, um zum einen die Aufsichtspflicht gewährleisten zu können und zum anderen das persönliche Gespräch mit den Müttern, Vätern und Erziehungsberechtigten zu ermöglichen.

 

 

 

Um den Anforderungen an Eltern, die einen Krippenplatz benötigen, gerecht zu werden, erhält die Krippe einen eigenen Eingang mit Parkmöglichkeit. Die Krippe-Eltern sollen ihr Kind mit möglichst wenig äußeren Stressoren (Zeitnot, Parkplatzsuche, zusätzliche Wege) in guter Atmosphäre den Krippenerzieherinnen anvertrauen können. Dies unterstützt eine effektive „Übergabe“ ohne Parkplatzsuche und ohne den damit verbundenen Stress für Väter und Mütter, die Familie und Beruf in Einklang bringen müssen.

 

Des Weiteren stehen rund um das Grundstück öffentliche Parkplätze bereit. Für Familien und Besucher, die im Laufen eingeschränkt sind, haben wir 3  gekennzeichnete Parkplätze eingeplant. 

 

 

 

4.  Öffnungszeiten und Schließzeiten

 

 

 

Alle unsere Plätze sind Ganztagsplätze.

 

Für Kinder mit bestehender oder drohender Behinderung besteht ein Rechtsanspruch von mindestens 32 Stunden Betreuungszeit pro Woche. Wir bieten täglich eine Betreuungszeit von 8:45 Uhr bis 15:10 Uhr. Dazu kommen je nach Wohnort noch die Fahrzeiten von bis zu einer Stunde pro Strecke.

 

 

 

Für die so genannten Regelplätze halten wir die Öffnungszeit in einem Korridor von 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr.

 

Für einen guten Start in der Gruppe sollten Kinder bis spätestens 9:00 Uhr in die Kita gebracht werden.

 

In den Öffnungszeiten sind Vorbereitungszeiten, Beratungszeiten, Inter-/Supervision sowie Teamgespräche miteingeplant.

 

 

 

An Wochenenden und gesetzlichen Feiertagen ist die Einrichtung grundsätzlich geschlossen.

 

Unsere Schließzeiten belaufen sich auf 26 Tage im Jahr, davon fallen 15 Tage in die Rheinland-pfälzischen Sommerferien, in der Regel ist das die zweite Hälfte der Sommerferien.

 

Ebenso ist die Einrichtung in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen. Im Notfall kann es zu angemessenen Ausnahmen kommen.

 

Alle Schließtage erhalten die Eltern am Ende eines Kalenderjahres als Elternbrief.

 

Zu den Schließtagen zählen ebenso themenbezogene Teamtage. Das sind Fortbildungen, an denen das Team möglichst vollständig teilnimmt.

 

Die Teamsitzungen, die zur Absprache, Organisation und Fallbesprechungen dienen, finden innerhalb wie auch außerhalb der Öffnungszeiten statt.  

 

 

 

5.  Unser Haus

 

 

 

 

 

… ist der Versuch, einer Idee Raum zu geben,

 

Bedürfnissen wie Geborgenheit und Schutz,

 

Gemeinschaft und Bildung einen überdachten Rahmen zu bieten.

 

Wände setzen Grenzen, Fenster spenden Licht, Türen ermöglichen Begegnung.

 

 

 

Unser Haus hat zwei Flügel, die jeweils über einen mehr als 100 m² großen Spielflur und mit unserem 50 m² großen Mehrzweckraum verbunden sind. Bei Bedarf können sie zu einem großen Raum verbunden werden.

 

Ebenfalls zentral liegt die 20 m² große Küche mit weiteren 30m² Koch- und Essmöglichkeit für die Kinder.

 

Die beiden Gebäudeflügel geben uns einerseits die Möglichkeit zur Differenzierung in den heilpädagogischen Bereich und in den integrativen Bereich mit Verbindungsmöglichkeit zur Krippe.

 

Gleichzeitig bieten Spielflure, Mehrzweckraum und Kinderküche Räume zur Begegnung und zum Zusammenspiel aller Kinder. Dies geschieht auch gezielt in übergreifenden Angeboten und in Freispielphasen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Räume

 

 

 

… sind Räume zum Entdecken und Spielen in der Gemeinschaft

 

sowie zur fokussierten Förderung der Wahrnehmung, Bewegung und Verständigung.

 

 

 

Für jede unserer 6 Gruppen steht ein Gruppenensemble zur Verfügung, bestehend aus Gruppenraum mit  je 42 m² und Nebenraum mit je  21 m² mit Abstellraum/Lager mit je 6 m².

 

Jeder der drei Bereiche hat dazu einen eigenen Wasch- und Wickelraum mit Kindertoiletten (zwischen 17 und 28 m²).

 

Neben zusätzlichen Spielfluren (je 80 m²) in beiden Flügeln, stehen weitere sechs Funktionsräume im Haus zur Verfügung. Hier finden begleitende Förderangebote und Therapien statt. Außerdem bieten wir  dort gruppenübergreifend interessensbezogene Angebote für die Mädchen und Jungen der gesamten Kita an. Für die Familien halten wir Räume zum Austausch und zur Beratung bereit.

 

Unsere Räume sind hell und ansprechend gestaltet. Sie wirken mit dieser Atmosphäre und in der pädagogischen Arbeit wie eine „ergänzende Fachkraft“, denn die Kinder finden unsere Räume stets vorbereitet vor. So ist es für die Mädchen und Jungen möglich, ins Spiel bzw. Angebot starten zu können. Gleichermaßen regen die Einrichtung und die dort gebotenen Materialien zum Experimentieren und Spielen an und bieten einen gemütlichen und behaglichen Rahmen.

 

 

 

Unser Spielplatz

 

 

 

Die beiden Flügel unseres Hauses  legen sich wie Arme um unseren Spielplatz

 

und umarmen damit eine kleine Welt für Fantasie und gemeinsames Erleben...

 

 

 

Die unterschiedlichen Interessen und Bedarfe der Mädchen und Jungen bekommen hier einen tollen Rahmen mit einer Größe von mehr als 1.600 m²  und  vielfältigen Spielbereichen mit

 

  

 

·         Sand- und Wasserspielplatz

 

·         Schaukelzone inklusive Nestschaukel und Hängematte

 

·         Erlebnis-Spiel-Landschaft  auch für Kinder mit Körperbehinderung

 

·         Wiesenfläche und gepflasterte Wege zum Toben, Ballspielen,  Rädchen fahren  

 

·         Trampolin, Wippe, Rutschhügel …

 

 

 

… und die Krippenkinder dürfen sich auf einem überschaubareren, kleineren Spielplatz mit einem Hof vor ihren Räumen etwas geschützter an der frischen Luft ausprobieren, schaukeln, klettern, rutschen, Rädchen fahren,

 

 

 

6.  Unser Team

 

 

 

Wir sind ein multiprofessionelles Team mit unterschiedlichen Ausbildungen und Erfahrungen, die allen Gruppen zu Gute kommen.  

 

Bei uns arbeiten i.d.R. 25 Mitarbeiterinnen in Voll- und Teilzeitform vernetzt zusammen.

 

Unsere pädagogischen Fachkräfte sind im Gruppendienst tätig. Hierzu zählen ErzieherInnen, heilpädagogische- und sozialpädagogische Fachkräfte, sowie Auszubildende.

 

 

 

 

 

Im Detail meint das:

 

 

 

·                    pro Gruppe mindestens 2 Stellen für pädagogische Fachkräfte (staatlich anerkannte

 

ErzieherInnen oder vergleichbare Ausbildung) sowie bedarfsbezogene Zusatzkräfte bei

 

schwerstbehinderten Kindern (zurzeit Einzelfallhilfen, diese Stellen können auch mit Nicht-fachkräften besetzt werden)

 

 

 

Des Weiteren wird unser Team ergänzt durch therapeutisch-begleitende Fachkräfte in den Disziplinen

 

 

 

·      Physiotherapie

 

·      Psychologie

 

·      Heilpädagogik

 

 

 

Ebenso gehören Leitung, stellvertretende Leitung, eine Verwaltungskraft sowie Küchen- und Reinigungskräfte und Hausmeister zu unserem Team.

 

Alle Fachkräfte bilden sich regelmäßig fort. Das stetige Erweitern der eigenen Kompetenzen hat für uns einen hohen Stellenwert. Dabei handelt es sich sowohl um externe, als auch interne Fortbildungen. Zukünftig werden regelmäßige interne Fortbildungen stattfinden und dokumentiert.

 

 

 

Unsere Haltung:

 

 

 

Bindung und Vertrauen sind die Schlagworte, um die es bei unserer Rolle als pädagogische Fachkraft geht. Wir sehen uns als verständnisvolle Begleiter bei Lern- und Entwicklungsaufgaben. Uns geht es darum, ganz individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes einzugehen, um es zu ermutigen und zu begleiten. Es geht vor allem darum, die Mädchen und Jungen  nicht in eine Rollen zu pressen, die der sogenannten Norm entspricht, sondern allen Kinder mit dem Grundprinzip des „Verstehen-wollens“ zu begegnen. Die Rolle als Beobachter und Ko- Konstrukteur nehmen die Fachkräfte immer dann ein, wenn es darum geht, mit den Mädchen und Jungen  gemeinsam Situationen zu analysieren und Ideen umzusetzen.

 

Letztendlich ist aber auch die Vorbildfunktion eine der zentralsten Aufgaben einer jeden Fachkraft. Eine stetige Selbstreflexion und die Evaluation des eigenen Handelns sind maßgeblich für die Qualität der Arbeit.

 

 

 

7. Übergreifende Konzepte, die unsere Arbeit stützen

 

 

 

Neben der stetigen Erweiterung unserer Kompetenzen, bezogen auf  Evaluation und Optimierung unserer Arbeit im Alltag, und der regelmäßigen Fortbildungen haben wir die „Konzepte“ von Marshall B. Rosenberg, Marte Meo und Moshé Feldenkrais implementiert. Hierzu gab bzw. gibt es immer wieder Team- und Einzelfortbildungen. All diese Konzepte haben gemeinsam, dass sie mit einer dialogischen Haltung Lern- und Entwicklungs-Angebote machen, die zu zugleich die Bedarfe achten, als auch auf Kompetenzbildung Wert legen. Wir verstehen sie als wachstumsfördernde Angebote. Das Wohlwollen für die einzelne Person und für die Gemeinschaft steht im Vordergrund.

 

Dies beinhaltet Spielraum zum Ausprobieren und Entdecken sowie Wahlmöglichkeiten zum Mitbestimmen und auch Grenzsetzung und Schutz vor Gefährdung, Verletzung und Ungerechtigkeit, ganz im Sinne der Wohlwollenden Kommunikation nach Rosenberg.

 

Mit dem Marte- Meo-Konzept versuchen wir, auch basierend auf Videos, gemeinsam mit den Kindern und den Erwachsenen gelungene Alltagsbegegnung zu zeigen. So wollen wir das was gelingt feiern und daraus lernen.

 

Die Feldenkrais-Methode soll uns helfen auf sanftem Weg Bewegungsabläufe bewusster zu machen und zu unterstützen.

 

Weitere Informationen zu den genannten Konzepten entnehmen Sie bitte dem Anhang.

 

 

 

8.  Pädagogisches Selbstverständnis und Kernaufgaben- Teilhabe

 

 

 

Inklusive Bildung bedeutet für uns das Begleiten jedes einzelnen Kindes hinsichtlich seiner momentanen Entwicklungsaufgaben. Wir verstehen uns als Einrichtung, die es jedem Kind möglich macht, aus ganz individuellen Bildungsmöglichkeiten zu schöpfen und damit die Eigenmotivation zu entflammen,  das Leben begreifen zu wollen. Die Kinder erfahren hier durch die Fachkräfte Anleitung und Unterstützung in allen Entwicklungsaufgaben, die die Mädchen und Jungen  gerade zu bewältigen haben - dabei meinen wir jedes Kind, ob mit oder ohne speziellen Förderbedarf. Natürlich erfordert dies eine besondere Sensibilität hinsichtlich des Erkennens des momentanen Bedürfnisses und der Entwicklung.

 

 

 

Im Vordergrund steht generell die persönliche, sozio-emotionale, körperliche und geistige Entwicklung aller Mädchen und Jungen. Die Eigenständigkeit und das Miteinander der Kinder werden unter dem Schwerpunkt Teilhabe und Mitbestimmung alltagsnah begleitet und gefördert.

 

Dies geschieht in vertrauten Gruppen, gruppenübergreifend sowie in Einzelförderung oder Therapien.

 

 

 

Mit Bezugsgruppen bieten wir räumliche und personelle Basissicherheit. Die Kinder haben natürlich die Möglichkeit einander zu besuchen, an gruppenübergreifenden Aktionen teilzunehmen oder auch Feste mit Freunden der anderen Gruppe zu feiern.

 

Ein gemeinsamer Tagesrhythmus und übergreifende Rahmungen (z.B. Wochenfenster, Gebärdeneinsatz, Visualisierung …) schaffen für die Kinder zusätzliche Orientierungsmöglichkeiten zu gruppenübergreifenden Begegnungen, auch in Aushilfs- oder Ausnahmesituationen.

 

Kinder machen ganzheitliche Erfahrungen und formen somit ihren einzigartigen Charakter und bilden ihre Persönlichkeit und Individualität aus.

 

Bildung vollzieht sich in der Zeit des freien Lernens, in gezielten Angeboten, in gruppenübergreifenden Aktionen, beim gemeinsamen Essen und in vielen Situationen des Alltags - daher ist jedes einzelne Segment des Tages von Bedeutung und ermöglicht ein breites und sehr individuelles Lernfeld für jedes einzelne Kind.

 

Es ist spannend zu sehen, für was ein Mädchen oder ein Junge schon Verantwortung übernehmen kann.

 

Und es macht Freude, die Kinder zu ermutigen, ihren Spielraum zu erweitern. 

 

 

 

Unsere Kernaufgaben sind vereinfacht wie folgt zu beschreiben:

 

 

 

·         Teilhabefähigkeiten fördern:  Handeln - Verstehen – Beteiligen

 

·         Kompetenzen erweitern: Wahrnehmen - Bewegen – Verständigen

 

·         Mitbestimmung erleben: Selbstbewusstsein, Umweltbewusstsein, Verantwortungsbewusstsein

 

·         Schlüsselkompetenzen erwerben:  Autonomie – Kompetenz – Gemeinschaft (eingebunden sein)

 

 

 

9.  Querschnittsthemen der pädagogischen Arbeit

 

 

 

9.1  Eingewöhnung

 

 

 

Die ersten Tage sind für alle Mädchen und Jungen in einer Kindertagesstätte ein sehr großes Ereignis und sind letztendlich der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Dieses sensible Thema ist mit gebührendem Respekt und Fingerspitzengefühl zu behandeln. Trotz aller fachlich fundierten Vorgehensweisen haben wir das Wohl des Kindes, der Familie und der Gemeinschaft dabei im Blick und orientieren uns an den Bedürfnissen aller.

 

 

 

Wir haben uns dazu entschieden, in Anlehnung an die Prinzipien des Münchner Eingewöhnungsmodells die Eingewöhnungen vorzunehmen. Aus der Historie und dem bekannten Umgang mit Mädchen und Jungen mit Beeinträchtigungen ist uns sehr bewusst, dass wir bei den Transitionen die Eltern als die Experten für ihr Kind brauchen- mehr noch, als dies vielleicht bei Mädchen und Jungen ohne Beeinträchtigungen der Fall ist. Die Mütter und Väter kennen ihr Kind genau und sind uns hilfreiche Partner in der Kennenlernphase und im Umgang mit dem Kind und seinen Bedürfnissen. Im Sinne von Inklusion ist es unser Anliegen, dieses Verfahren ebenso bei den Kindern ohne Beeinträchtigung anzuwenden. Wir behalten es uns vor, die Art der Eingewöhnung an die Bedarfe der einzelnen Kinder anzupassen.

 

 

 

Vor Beginn der Eingewöhnung finden generell Schnuppertage statt, die individuell mit den Fachkräften besprochen werden.

 

 

 

Weitere Informationen über das Münchner Modell finden Sie unter dem Punkt Krippe.

 

 

 

9.2  Transition – Gestaltung von Übergängen

 

 

 

Übergänge gehören zu der menschlichen Entwicklung. Es handelt sich dabei generell um Wandlungsprozesse, die jeder Mensch in seinem Leben durchläuft und zwar im Zusammenspiel zwischen ihm und seiner Umwelt (vgl. Pohlmann- Rother , 2012, S. 251).

 

Übergang bedeutet, es liegt eine Phase vor, in der sich das Ende einer alten (bisherigen), vielleicht liebgewonnen Lebensphase mit einem neuen (beginnenden) Lebensabschnitt „trifft“, wie es etwa in der Zeit der Eingewöhnung geschieht. Also Abschied und Neubeginn in einem.  Dies gilt gleichermaßen für Eltern und Kinder. Aufgrund dieses Wissens behandeln wir Übergänge sensibel. Uns ist bewusst, dass diese Übergänge mit starken Gefühlen verbunden sein können.

 

In unseren Augen geht es bei gelungener Transition darum, den Mädchen und Jungen  zu vermitteln, dass sie diese Übergänge nicht alleine bewältigen müssen, sondern dass ihnen ein verlässlicher Erwachsener zur Seite steht. Ebenso ist es bedeutsam, dass den Mädchen und Jungen und auch deren Müttern und Vätern Verständnis für ihre Gefühle entgegen gebracht wird und sie Trost erfahren. So sind sie in der Lage, sich neuen Beziehungen zu öffnen, die vielleicht noch befremdlich oder anders sind, erfahren sich aber als neugierig und stark, sich dieser Herausforderung zu stellen.

 

 

 

Typische Übergangsmomente:

 

·         Aufnahme in die Kita (Eingewöhnung)

 

·         Wechsel von der Krippe in die integrative bzw. heilpädagogische Gruppe

 

·         Wechsel innerhalb der Gruppen

 

·         Wechsel in andere Einrichtungen

 

·         Übergang vom Kindergarten in die Schule

 

·         Veränderungen innerhalb der Familien (z.B. Umzüge, Familienzuwachs, Schicksalsschläge)

 

 

 

Da uns Bindung und Verlässlichkeit besonders wichtig sind, werden Kinder innerhalb unserer Einrichtung von den Bezugserzieherinnen begleitet. Kinder erleben so, Vertrautes loslassen und sich auf Neues einlassen zu können in Begleitung der vertrauten Erzieherin, die dem Jungen oder Mädchen helfend zur Seite steht, wenn es um die Bewältigung von Emotionen geht.

 

Im Übergang zu Schule begleiten wir die Mädchen und Jungen auf dem Weg in den neuen Lebensabschnitt und kooperieren mit den zuständigen  Grundschulen und Förderschulen.

 

 

 

9.3  Freies Lernen und gezielte Förderangebote

 

 

 

Wir sehen grundsätzlich alle Aktivitäten des Alltags als Bildungsangebot zum ganzheitlichen Lernen

 

und suchen nach einem ausgewogenen Verhältnis von geleiteten Angeboten und Phasen des freien Lernens.

 

Dabei orientieren wir uns an den Bedürfnissen und Interessen der Mädchen und Jungen und anderen Lebenssituation, sowie am Jahreskreis und den kulturellen Gegebenheiten. Wir sind stets offen für Anregungen der Familien (situationsorientiertes Lernen).

 

 

 

Die ureigene Ausdrucksform des Kindes ist das Spiel, ohne einen bestimmten Zweck zu verfolgen, allein aus der Freude und Neugier daran. Dies hilft den Mädchen und Jungen, sich mit der Umwelt auseinander zu setzen. Sie können ausprobieren und Erkenntnisse gewinnen.

 

DAHER IST DAS SPIEL DIE ELEMENTARSTE LERNFORM.

 

 

 

In der Phase des freien Lernens hat das Kind die Möglichkeit, seinen ganz persönlichen Interessen im eigenen Tempo nachzugehen. Eine Raumgestaltung mit entsprechendem Aufforderungscharakter ist daher selbsterklärend. Das freie Lernen meint hier das selbstbestimmte Auswählen von Spielmaterial ohne stetige Begleitung durch eine Fachkraft.

 

Mädchen und Jungen  lernen sehr schnell und gezielt, wenn sie eigene Interessen verfolgen und Spielmaterial und Spielpartner selbst wählen dürfen. So erleben sie Selbstwirksamkeit, die die Lernbereitschaft enorm fördert. 

 

Daneben ist es genauso elementar, dem Kind immer wieder auch Angebote zur Erweiterung seiner Erfahrungswelt anzubieten. Diese Angebote betreffen alle Entwicklungsbereiche und sind individuell an das Entwicklungsalter der Mädchen und Jungen  angepasst. Sie sind grundsätzlich freiwillig.

 

 

 

9.4  Ruhe und Entspannung

 

Lernen kann am besten stattfinden, wenn sich die Kinder wohlfühlen, sicher und möglichst stressfrei.

 

Neben der Möglichkeit, den Kindern attraktive Angebote aus verschiedenen Entwicklungsbereichen zu machen, ist es uns ebenso wichtig, Raum für Entspannung zu bieten. Durch unser multiprofessionelles Team ermöglichen wir dies in einer ganz besonderen Qualität. Unsere Fachkräfte bringen zahlreiche Methoden mit, damit es jedem Mädchen und Jungen möglich ist, einen Weg für seine ganz persönliche Entspannung zu finden.

 

Generell orientieren wir uns am Ruhebedürfnis des Kindes, was man auch an den individuellen Schlafgruppen des Kita-Bereiches erkennen kann. Kinder bekommen hier die Möglichkeit zu Schlafen oder zu Ruhen.

 

 

 

9.5  Körperlichkeit und geschlechtssensible Pädagogik

 

 

 

Die Förderung des Kindes hinsichtlich der Entwicklung und Stärkung seiner Persönlichkeit und hinsichtlich des  Gelingens des Zusammenlebens ist grundlegender Auftrag aller Kindertagesstätten. Die Kinder sollen lernen, selbstbestimmt zu handeln.

 

Wir beschäftigen uns mit geschlechtssensibler Pädagogik, was bedeutet, dass wir zum Beispiel auch von Mädchen und Jungen sprechen und nicht nur von Kindern, dass wir von Müttern und Vätern sprechen und nicht nur von Eltern. Uns ist wichtig, jedem Mädchen und Jungen die Möglichkeit zu geben, sich individuell auszuprobieren und in die eigene Rolle zu finden, also zu dem, was individuell passend erscheint. Es ist völlig in Ordnung, wenn auch ein Mädchen mit Autos und ein Junge mit Puppen spielt. So ist es aber auch ganz normal, dass es im Rollenspielbereich nicht nur eine Küche, sondern auch ein Werkzeugkasten gibt. Wir sprechen von Polizistinnen und Polizisten. Dies soll die Kinder bestärken ihre eigene Rolle zu finden.

 

In Bezug auf die Körperlichkeit meint dies, dass wir ganz offen über unsere Körper sprechen und sie als etwas völlig Normales ansehen. Dass ein Mädchen anders aussieht als ein Junge und Frauen anders aussehen als Männer, ist den Kindern bewusst. In unserer Einrichtung dürfen Kinder möglichst ohne Tabu Fragen zu allen Themen stellen, die sie beschäftigen. Auch das Erleben des eigenen Körpers gehört zur Persönlichkeitsentwicklung dazu. Selbstbestimmung im Hinblick auf Erfahrungen mit Körperlichkeit erfährt natürlich an dieser Stelle auch Grenzen, nämlich dann wenn die Fachkraft erklärt, dass ein unversehrter Zustand des anderen nicht beschädigt werden darf. Mädchen und Jungen lernen, dass jeder das Recht auf seinen eigenen Körper hat und kein anderer etwas tun darf, was man nicht möchte.

 

 

 

9.6  Projekte

 

 

 

Neben den von den Fachkräften initiierten Angeboten arbeiten alle Gruppen projektorientiert. Dies meint zum Einen, dass durch starke Beobachtung und Befragung der Mädchen und Jungen zusammen gemeinsame Themen gefunden werden und zum Zweiten, dass das Kind als Akteur seiner Entwicklung gesehen wird. An dieser Stelle machen Mädchen und Jungen eigene Lernerfahrungen in eigenem Tempo und mit eigenen Materialien. Mädchen und Jungen können hier Themen weitestgehend selbst bearbeiten. Besonders im Hinblick auf das integrative Arbeiten sind Projekte eine wahre Chance. Denn hier ist es möglich,  auf die ganz individuellen Bedürfnisse und Bedarfe - ganz im Sinne von Inklusion - eingehen zu können. Bei Projekten geht jedes Kind grundsätzlich sein eigenes Tempo. Manchmal greifen wir dann diese Themen auf und es entsteht ein Gemeinschaftsprojekt. Projekte können sich von einem Tag über mehrere Wochen erstrecken, sie können alleine, in Kleingruppen oder sogar in gruppenübergreifenden Aktionen stattfinden. Sie sind nie fix und stets wandelbar. Kommt ein Kind z.B. mit dem Wusch, einen Barfußpfad zu bauen, weil es beispielsweise am Wochenende eine Ausflug mit den Eltern gemacht hat und nun seine Erfahrungen mitteilen möchte, stellt ihm die Fachkraft alles Notwendige zur Verfügung bzw. je nach der individuellen Situation tut dies das Kind selbst. So kann es passieren, dass sich plötzlich mehrere Mädchen und Jungen  beteiligen und die Einrichtung so zum Thema Barfußpfad kommt.

 

Wie bereits im Punkt freies Lernen beschrieben haben unseres Erachtens sowohl freies Lernen, angeleitete Angebote, wie auch Projekte gleichermaßen Berechtigung.

 

 

 

9.7  Beobachtung und Dokumentation

 

 

 

Das Beobachten und Dokumentieren gehört zu unseren Basisaufgaben. In unserer Arbeit geht es immer darum genau hinzuschauen, kleinste Verhaltensänderungen, Entwicklungsfenster, Fortschritte und Möglichkeiten zu erkennen, um dann mit entsprechenden Interventionen reagieren zu können. Unsere Beobachtungen und Dokumentationen sehen je nach Bereich unterschiedlich aus.

 

 

 

In der Krippe nutzen die Fachkräfte zur Orientierung die Entwicklungstabelle nach Beller, welche jedoch wirklich nur als grobe Orientierung gilt, denn wie bereits erwähnt zeichnen wir uns insbesondere durch unser individuelles Arbeiten aus. Zur Hilfe für die Dokumentation nutzen wir die standardisierte Entwicklungsdokumentation von W. Küstermann.

 

 

 

Für die beeinträchtigten Kinder im heilpädagogischen Bereich und in den Integrativ-Gruppen werden einmal jährlich zusammen mit den Eltern  individuelle Hilfepläne (IHP / THP) für das einzelne Kind  geschrieben. Hier findet man detailliert beschriebene Entwicklungsbereiche, sowie auch die nächsten Ziele und die Wege, um diese zu erreichen.

 

 

 

Mit den Eltern der nicht-beeinträchtigten Kinder der integrativen Gruppen wird der derzeitige Entwicklungsstand – angelehnt an den individuellen Hilfeplan - in einem Entwicklungsgespräch besprochen und dies auch in einem Protokoll festgehalten. 

 

 

 

9.8  Portfolio

 

 

 

Das Portfolio -in unserer Einrichtung „ICH- BUCH“ genannt- enthält individuelle Aspekte aus der Entwicklung und der Persönlichkeit der Mädchen und Jungen. So beinhaltet es z.B. Fotos der Familie, Lieblingsessen, Kommunikationsmöglichkeiten und die ganz persönlichen Wege des Lernens. Die Mädchen und Jungen entscheiden über den Inhalt. Somit ist das Kind der Autor seines Portfolios. Das gemeinsame Anschauen des jeweiligen Portfolios ermutigt die Mädchen und Jungen zum Erzählen, wodurch Gespräche entstehen und Bindung intensiviert wird.

 

 

 

9.9  Feste

 

 

 

Unsere Einrichtung feiert in der Regel kulturell und jahreszeitlich bedingte Feste. Diese dienen zur Orientierung, gemeinsamer Freude mit den Kindern, wie auch zur Stärkung der Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften.

 

 Grundsätzlich feiern wir folgende Feste:

 

·                     Fasching

 

·                     Ostern

 

·                     Sommerfest

 

·                     St. Martin

 

·                     Weihnachten

 

·                     Geburtstage

 

 

 

9.10  Verpflegung

 

 

 

Verpflegung bedeutet für uns zum einen - ganz im praktischen Sinne - das Versorgt-Sein mit Nahrung und Getränke und zum anderen die damit verbundene pädagogische Arbeit und das Erlernen der Kulturtechniken.

 

Unsere Kinder erhalten in allen Gruppen ein Frühstück. Die Kinder haben die Möglichkeit, mit den Fachkräften bei einem gemeinsamen Einkauf verschiedene Nahrungsmittel selbst zu erwerben, um diese anschließend probieren zu können. Das Frühstück findet in der Regel als gemeinschaftliches Angebot, entweder in den Gruppen (in der Krippe ausschließlich) oder bei den älteren Kindern auch in der Mensa statt.

 

Das Mittagessen erhalten wir von einem örtlichen Catering. Wir legen Wert auf gute Qualität und eine abwechslungsreiche Küche. Zusätzlich kochen die Kindergartengruppen in der Regel einmal in der Woche selbst ihr Mittagessen oder bereiten Ergänzungen wie Nachtisch oder Salate zu. Am Nachmittag reichen wir den Kindern einen kleinen Snack, z.B. Obst.

 

Das Mittagessen und der Snack werden, ebenso wie das Frühstück, in der Regel gemeinsam in den jeweiligen Gruppen / Mensa eingenommen. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, ins Gespräch zu gehen und Kulturtechniken zu erlernen. Jedes Kind erlebt einen angemessenen Rahmen gemäß seines Alters und seiner Entwicklung. Die Fachkräfte unterstützen alle Kinder ihrer Entwicklung entsprechend mit den daran angepassten Methoden und Hilfsmitteln, damit Integration auch hier gelebt werden kann.

 

Neben der Versorgung mit Lebensmittel ist die Essenssituation im (heil)pädagogischen Sinne zudem auch ein elementar wichtiges pädagogisches Angebot. Konkret heißt dies:

 

 

 

Das Essen ist ein wesentlicher Baustein unserer Tagesstruktur. Morgens gibt es Frühstück - mittags gibt es Mittagessen - nachmittags erfolgt eine Teezeit.

 

Es bietet „Rhythmus, Regeln, Rituale“:  Die regelmäßigen, strukturierten Mahlzeiten helfen den Kindern, sich in der Zeit zu orientieren, Abläufe vorherzusehen und einzuordnen, schrittweise eigene Erfolgserlebnisse zu gestalten  und somit Sicherheit und Vertrautheit zu gewinnen. Zudem gelten gemeinsame Mahlzeiten als  grundlegende Elemente für das Gruppengefühl. Wenn alle zusammen an einem Tisch sitzen, in der Regel das Gleiche essen und trinken, nehmen sich Mädchen und Jungen als  eine Gemeinschaft wahr. Es gibt Vorbilder. Mädchen und Jungen vergleichen sich, ahmen nach und regen sich gegenseitig an. Selbstbestimmung spielt auch hier eine große Rolle. Zudem entstehen hier Aufgaben für das Gruppengefüge. So übernehmen die Kinder z.B. abwechselnd den Tischdienst.

 

Im gemeinsamen Essen als bedeutsamem Förderangebot finden wir im Alltag zentrale Themen unserer pädagogischen Schwerpunkte wieder.

 

Diese sind das Wahrnehmen: auswählen - entscheiden - probieren - schmecken - riechen - orientieren - erkennen -  suchen -finden …

 

 

 

è Figur-Grund-Wahrnehmung, Wahrnehmungskonstanz, Erfassung der Lage im Raum und Räumliche Beziehung, Konzentration, Aufmerksamkeitsspanne…

 

 

 

Das Bewegen: auf dem Platz sitzen bleiben können - schlucken - kauen - schneiden - schmieren - einschenken  -  dosieren - Kraft einteilen - Geschicklichkeit... 

 

 

 

è Auge-Hand-Koordination, Hand-Hand-Koordination, Diadochokinese, Pro-/ Supination…

 

 

 

Und das Verständigen: Dinge benennen – fragen – angucken – zuhören - bitten…

 

 

 

è Wortschatz, Lautbildung, Grammatikalische und Phonetische Bewusstheit, Blickkontakt, in Beziehung gehen,…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10.  Unsere Tagesstruktur

 

 

 

Uns ist eine geregelte Tagesstruktur sehr wichtig. Sie bietet den Kindern Halt und Sicherheit. Rituale und Beständigkeit sind essentiell für ein sicheres Bewegen im Alltag. Dies bieten wir den Kindern durch einen klar visualisierten und strukturierten Tagesablauf.

 

 

 

Aktion

Im Detail

 

Die „frühen Kinder“  werden morgens gemeinsam in einer Gruppe empfangen

 

Empfang der Familie durch die pädagogische Fachkraft

 

Fachkraft  und Kinder verabschieden sich gemeinsam

 

Hier ist Raum und Zeit für Tür-und-Angel-Gespräch und den Austausch über das Befinden des Kindes und was

sonst noch den Tagesablauf betrifft.

 

 

Die Mädchen und Jungen gehen gemeinsam mit ihren Erzieherinnen in ihre vorgesehene Gruppe

 

 

Gemeinsames Frühstück in der Gruppe bzw. in der Mensa

Hier findet eine liebevolle und entsprechende Begleitung durch die Fachkräfte statt.

Pflegesituation

Die Kinder werden liebevoll und einzeln gewickelt bzw. zur Toilette begleitet und Ihren Bedürfnissen nach gepflegt.

Morgenkreis

Hier finden gemeinsames Singen, die Entwicklung der Tagesstruktur und das Besprechen des Wochenfensters statt.

Freispiel und Angebote

Die Kinder können sich ausprobieren, sich entwickeln und bekommen genug Zeit und Raum die Welt in ihrem Tempo erleben zu können.

Mittagessen in der Gruppe

Hier findet eine liebevolle und entwicklungs- und situations-entsprechende Begleitung durch die Fachkräfte statt.

Pflegesituation/ Zähneputzen

Die Kinder werden liebevoll und einzeln gewickelt bzw. zur Toilette begleitet und Ihren Bedürfnissen nach gepflegt. Wir putzen zusammen mit den Kindern die Zähne.

Schlafen

Der Bezugserzieher begleitet die Mädchen und Jungen, die schlafen wollen, in den Schlafraum. Die Kinder sind beim Schlafen stets in Begleitung einer Erzieherin.

Aufstehen / Pflege

Den Mädchen und Jungen wird ein ruhiges und entspanntes Wachwerden, kuscheln und wieder anziehen geboten.

Mittagssnack

Die Kinder bekommen die Möglichkeit, einen kleinen Snack zu sich zu nehmen, z.B. Obst, das auch von Zuhause mitgebracht werden darf.

Abholen der Buskinder im heilpädagogischen und integrativen Bereich

Hier findet die Verabschiedung  der Kinder, die mit dem Bus kommen, von den Fachkräften statt.

Freies Spiel bis zur Abholzeit

Hier ist ein Austausch mit den Eltern über den Tag möglich.

Ende

Verabschiedung

 

 

 

11.  Krippe und ihre Pädagogik

 

 

 

Die Betreuung unserer Kleinsten erfordert ein hohes Maß an pädagogischer Bildung und Einfühlungsvermögen. Wir orientieren uns generell in allen Bereichen an den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen des Landes Rheinland Pfalz. Der pädagogische Schwerpunkt unserer Krippenpädagogik orientiert sich stark an der Pädagogik von Emmi Pikkler. Hierzu eine kurze Erläuterung:

 

 

 

11.1  Die 3 Säulen der Pikkler Pädagogik:

 

 

 

·                     beziehungsvolle Pflege

 

 

 

Die Kleinkinder können durch intensive Pflege Geborgenheit und Vertrauen erleben. Auf dieser Basis kann sich emotionale Sicherheit entwickeln. Diese Wiederum ist die Grundlage für die spätere Eigeninitiative und selbstständige Aktivität.

 

 

 

·                     autonome Bewegungsentwicklung

 

 

 

„Wenn man dem Säugling und Kleinkind hinreichend Raum und Zeit lässt, sich selbst und seine Bewegungsmöglichkeiten auszuprobieren, lernt er nicht nur die unterschiedlichen Bewegungsformen, sondern er lernt das Lernen“ ( Ostermayer 2013, S.17).

 

 

 

 

 

 

 

·                     das freie Spiel

 

 

 

Vor allen Dingen brauchen Kinder Zeit, Ruhe, Räume und geeignete Materialien, um sich selbst im eigenen Tempo entwickeln und entfalten zu können.

 

 

 

11.2  Die Eingewöhnung in Anlehnung an das Münchner Modell

 

(erarbeitet von Dr. Anna Winner und Elisabeth Erndt -Doll)

 

 

 

Die Eingewöhnung findet auf der Basis der Bindungstheorien in Anlehnung an das Münchner Eingewöhnungsmodell statt.

 

 

 

Vereinfacht dargestellt erklärt sich dieses wie folgt: (Bsp. mit Mutter und Kind)

 

 

 

1. Kennenlernen

·         Anfang, erster Kontakt – das Kennenlernen  

·         Mutter begleitet Kind im Krippenalltag.  (Mutter aktiv für ihr Kind, ErzieherIn zurückhaltend)

·         Mutter und Kind erleben den Krippenalltag in zunehmend längeren Zeiträumen mit den unterschiedlichen Gefühlen und Bedürfnissen. 

·         Kennenlernen von Räumen, Materialien, MitarbeiterInnen und Kindern.

 

 

 

2. Sicherheit

·         Mutter und Kind gestalten mit ErzieherIn besondere Situationen, z.B. Wickeln, Essen und Trinken, Schlafen, Trösten, Konflikte. (Mutter aktiv – ErzieherIn orientiert sich)

·         Wertschätzende und wohlwollende Rückmeldung  von der ErzieherIn an die Mutter.

·         Kind erlebt Gruppe, knüpft Kontakte zur ErzieherIn. ErzieherIn begleitet Kind beim Spielen.

 

 

 

3. Vertrauen

 Kind wird selbständig. Mutter wird sicherer und zurückhaltender gegenüber ihrem Kind.

·         ErzieherIn wird aktiver im Umgang mit dem Kind. (Kind lässt sich ansprechen, berühren, versorgen)

·         Trennung von der Mutter und eindeutiger Abschied; Zulassen von heftigen Gefühlen

·         Kind bleibt ohne Mutter  in der Gruppe

 

 

 

Zuletzt findet dann das Abschlussgespräch statt. Hier reflektieren wir mit den Müttern und Vätern die Eingewöhnungszeit.

 

 

 

Bei den älteren Kindern findet die Eingewöhnung in der Regel nach denselben Prinzipien in angepasster Form statt mit Rücksicht auf die jeweilige familiäre Situation und die Bedürfnisse der Kinder.

 

Bei Bedarf passen wir das Modell und die notwendigen Interventionen sinnvoll an, um den Mädchen und Jungen den Besuch der Einrichtung zu ermöglichen.

 

Weitere Informationen über die Eingewöhnung entnehmen Sie bitte den gesonderten Informationsbroschüren.

 

Unsere Kinderkrippe kann von bis zu zwei Kindern mit Beeinträchtigung besucht werden. Auch bereits hier wird der Grundstein zur inklusiven Pädagogik gelegt. Unsere Pädagogik in der Krippe berücksichtigt alle entwicklungspsychologisch relevanten Aspekte und bietet Mädchen und Jungen, sowie den Familien, den geschützten Rahmen, erste Schritte in Bezug auf Erweiterung des Elternhauses zu machen. Unsere Fachkräfte stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

 

12  Unsere Kindertagesstättengruppen

 

12.1  Die heilpädagogische Gruppen und ihre Pädagogik

 

Unsere drei heilpädagogischen Kindergartengruppen bieten den Kindern einen geschützten, sehr strukturierten Rahmen. Dies ermöglicht es jedem Kind, seinen Alltag bzw. seine Welt in seinem Tempo verstehen, begreifen und bewältigen zu können. Unsere Tagesstruktur bietet den Kindern Transparenz und Sicherheit. Dadurch sind die Kinder in der Lage, sich voll und ganz auf neue Lernerfahrungen und ihre Entwicklung zu konzentrieren. Die Welt zu verstehen und zu begreifen sind grundlegend und elementar wichtige Voraussetzungen, die jeder Mensch benötigt, um sich sicher auf seinen Lebensweg zu begeben. So findet man z.B. unser Wochenfenster, welches einen Wochenplan darstellt, der farblich gekennzeichnet und mit Piktogrammen bestückt ist, sodass jedes Mädchen und jeder Junge die Tagestruktur und die geplanten Aktivitäten erkennen kann. Immer wiederkehrende Rituale helfen den Kindern, sich im Tagesablauf zu Recht zu finden, und geben so erneut Sicherheit. In den heilpädagogischen Gruppen  erfahren die Mädchen und Jungen  einen engeren Betreuungsschlüssel. Dies ist unbedingt notwendig, da die Fachkräfte jedes Kind zum einen ganz individuell begleiten und gleichzeitig die sozialen Fähigkeiten und die Gruppenfähigkeit ebenso fördern. Um nähere Informationen zu dem heilpädagogischen Konzept „Kinder die mehr brauchen“ zu erfahren, lesen Sie bitte den Anhang. Hier ist nochmal alles im Detail dargestellt.

 

 

 

12.2  Die integrativen Gruppen und ihre Pädagogik

 

Unsere zwei integrativen Gruppen orientieren sich im Hinblick auf Rituale, Verstehbarkeit und Begreifbarkeit stark an den heilpädagogischen Gruppen. Wir sind davon überzeugt, dass jedes Kind Strukturen und einen Rahmen benötigt - ja sogar das Recht darauf hat - , damit es sich frei und in eigenem Tempo entwickeln kann. Das Zusammensein von Mädchen und Jungen mit und ohne erhöhte Bedarfe ist für uns selbstverständlich. Uns ist es wichtig, jedes Kind genau da abzuholen, wo es sich in seiner Entwicklung befindet. Jedes Kind erhält individuelle Begleitung. Dies meint, dass die Fachkräfte genau schauen, was das Kind benötigt, damit es seinen nächsten Entwicklungsschritt gehen kann.  Dies kann sehr unterschiedlich sein. Das macht es besonders spannend, denn Kinder lernen von und miteinander. Die Fachkraft bietet jedem Kind neben den anderen Mädchen und Jungen  als Spiel- und Lernpartner auch sich selbst als Begleiter, Lern- und Beziehungspartner, sowie als Ko- Konstrukteur. Partizipation und Akzeptanz findet auf vielen verschiedenen Wegen statt und wird eng durch die Fachkräfte begleitet. Es meint das Teilhaben, aber auch das Akzeptieren des „Unterschiedlich- seins“. In unseren integrativen Gruppen orientieren wir uns natürlich an den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen des Landes Rheinland Pfalz und schaffen so für jedes Kind den entsprechenden Rahmen für den weiteren Weg in die Schule.

 

Wir leben Integration bzw. Inklusion.  Allen Mädchen und Jungen  ist es möglich, alle Bereiche zu besuchen und so unserem  Selbstverständnis des Unterschiedlich- seins zu begegnen. Um dies aber auch gezielt im Alltag anzubieten, finden bei uns regelmäßige übergreifende Angebote, wie Sing- und Spielkreise mit allen Gruppen, die gemeinsame Nutzung der übergreifenden Räume und des Außengeländes, übergreifende pädagogische Angebote für alle Kinder, sowie gemeinsame Elternveranstaltungen und Themengruppen statt. Die großen freien Plätze, wie die Turnhalle oder die Flure sind Begegnungsräume, in denen der integrative Gedanke gelebt werden kann. Hier finden alltäglich unsere Begegnungen statt.

 

13. Aufsichtspflicht, Kindeswohl und Notfallplan

 

 

 

In der Regel obliegt die Aufsichtspflicht als Teil der  Personensorge ( § 1631 Abs. 1 BGB ) den Eltern.

 

Bei der Aufnahme in die Einrichtung übernehmen der Träger und damit dann die MitarbeiterInnen der Einrichtung über den Betreuungsvertrag diese Aufsichtspflicht für das Kind.

 

Die Aufsichtspflicht beginnt für Kinder,  die von ihren Eltern selbst in die Einrichtung gebracht werden, mit der persönlichen Übergabe und endet beim Abholen wieder.

 

Für Kinder, die den Fahrdienst in Anspruch nehmen, gilt dies entsprechend beim Abholen und Bringen mit dem Bus.

 

 

 

Kindeswohl und Kindesschutz

 

Das im Jahre 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) beschreibt die Pflicht aller Einrichtungen, denen Kinder anvertraut sind, das Kindeswohl und auch dessen Verletzungen im Blick zu haben.

 

Ergeben unsere Beobachtungen, dass für ein Kind ein erhöhtes Entwicklungsrisiko besteht, so ist es unsere Aufgabe, mit den Eltern / Erziehungsberechtigten über die entsprechenden Bedarfe des Kindes zu sprechen. Von den Eltern erwarten  wir transparente Informationen über vorliegende Diagnostikergebnisse und durchgeführte Therapien und den aktuellen Gesundheitszustand.

 

Sobald gewichtige Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Kindeswohls  eines betreuten Kindes vorliegen, ist es die Aufgabe  der MitarbeiterInnen, eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen. Hierzu steht intern eine entsprechend ausgebildete Psychologin zur Verfügung. Ergänzend kann auch im Bedarfsfall  eine „insofern erfahrene Fachkraft“  („InsoFa“) hinzugezogen werden.

 

Die Erziehungsberechtigten und auch die Mädchen und Jungen werden in diese Gefährdungseinschätzung einbezogen, sofern der Schutz des Kindes dadurch noch gewährleistet erscheint. Ziel ist, gemeinsam darauf hin zu arbeiten, dass angemessene erforderliche  Hilfen in Anspruch genommen werden. Kann eine Gefährdung nicht abgewendet werden, sind wir dazu verpflichtet, das zuständige Jugendamt zu informieren und die Daten mitzuteilen, die das Jugendamt zur Wahrnehmung des Schutzauftrages bei einer Kindeswohlgefährdung nach §8a SGB VIII benötigt. Sofern der Schutz des Kindes nicht in Frage ist, werden die Erziehungsberechtigten an diesem Prozess beteiligt.

 

Alle MitarbeiterInnen unserer Einrichtung haben bei Neueinstellung und danach alle 5 Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen.

 

Notfallplan §47

 

Um die gute pädagogische Betreuung der Kinder in unserer Einrichtung gewährleisten und unserer Aufsichtspflicht nachkommen zu können, kann es passieren, dass wir bei personellen Engpässen Kriseninterventionen betreiben müssen.

 

Durch das Fehlen von pädagogischen Fachkräften können sich personelle Engpässe ergeben. Es besteht die Gefahr, dass die Rituale, die den Kindern so viel Sicherheit und Vertrauen geben, wegbrechen, zu wenig Personal da ist, um die Aufsichtspflicht zu gewährleisten etc.

 

Somit muss der Träger Interventionen in die Wege leiten, um diesen Verpflichtungen nachkommen zu können. Diese erstrecken sich von der Minderung oder dem Wegfall der päd. Angebote bis hin, im absoluten Notfall, zur Schließung der Kita. All dies geschieht nach einem von uns beim Landesjugendamt hinterlegten Notfallplan und stets in Absprache mit dem Träger.

 

 

 

14.  Bildungs-und Erziehungspartnerschaft 

 

 

 

Vergleichen wir den Lebensweg und die Entwicklungsjahre eines Menschen

mit einem Metermaß mit pro Jahr einem Zentimeter, dann wird schnell klar,

dass wir lediglich auf den ersten 7 Jahren begleitend tätig sind.

Das verdeutlicht auch, dass die Verantwortung der Familien

für den Lebensweg eines Kindes die wesentlichere Rolle spielt.

Wir tragen nur dazu bei, dass das Kind

sich auf den sinnbildlich ersten

7 Zentimetern gut entfalten kann.  (T. LUY)

 

 

 

Erziehungspartnerschaft

 

 

 

Die rheinland-pfälzischen Bildungs- und Erziehungsempfehlungen sehen in der gemeinsamen Aufgabe der Erziehung der Mädchen und Jungen  die Eltern und ErzieherInnen als Partner.

 

Dies erfordert gegenseitiges Vertrauen und Respekt.  Eltern müssen sich auf die Erzieherinnen verlassen können, persönlich und fachlich. Wie wichtig diese Fachlichkeit ist, schlägt sich auch darin nieder, dass eine Erzieherausbildung insgesamt 5 Jahre dauert.

 

Und mit aller Fachlichkeit ist im Umgang mit Menschen die persönliche Beziehung die grundlegende Voraussetzung für das Gelingen.

 

Die Bereitschaft, sich gegenseitig verstehen zu wollen, kann auch hier Wunder wirken.

 

Uns ist klar, dass Mütter, Väter, Familien, Erziehungsberechtigte die Hauptverantwortung für ihre Kinder tragen. Dies erfordert von uns Verständnis und Erwartung.

 

Uns ist bewusst, dass es für Mütter, Väter, Familien, Erziehungsberechtigte immer auch ein Stück weit Loslassen bedeutet und dies auch mit Gefühlen und ggf. Sorge verbunden ist. Wie in allen Bereichen unserer Arbeit steht auch hier für uns immer der wohlwollende Dialog im Vordergrund. Eltern sollen sich wohlfühlen und auch das Vertrauen in sich tragen können, Dinge anzusprechen, die sie beschäftigen. In unserem Haus gibt es folgende Gesprächsforen:

 

 

 

14.1  Gesprächsformen

 

 

 

·                     das Reflexionsgespräch nach der Eingewöhnung

 

·                     Entwicklungs- und IHP- Gespräche

 

·                     Übergangsgespräche (Übergabe der Kinder)

 

·                     Abschlussgespräche

 

·                     Tür- und Angelgespräche bzw. für die Buskinder alternativ Kontakthefte

 

·                     Anlassgespräche

 

 

 

14.2  Elternausschuss

 

 

 

Wir arbeiten mit dem Elternausschuss gemäß der Elternausschuss- Verordnung zusammen. Er trifft sich regelmäßig  und wird einmal jährlich gemäß den Bestimmungen gewählt.

 

Er ist für uns ein wichtiges Partner-Organ. Er wird jährlich von den Eltern gewählt und sollte ausgewogen besetzt sein. Seine Arbeit ist konstruktiv beratend.

 

                

 

15.  Beschwerdemanagement bei Eltern und Kindern

 

 

 

Eltern:

 

 

 

Eine Definition, was eine Beschwerde ist, möchten wir an dieser Stelle nicht geben. Wir leben eine fehlerfreundliche und stets wohlwollende Kultur. Daher sind wir immer offen für konstruktive Kritik.

 

Wir sind der festen Überzeugung, dass es letztlich immer darum geht, Bedürfnisse von Menschen zu erkennen und in wohlwollender dialogischer  Form das Gespräch zu suchen bzw. zu führen. Jede Fachkraft ist bereit, mit den Müttern und Vätern bei Bedarf Gespräche zu führen. Bei Bedarf und in Krisen stehen  auch die hausinternen Therapeuten  vermittelnd, moderierend und hilfreich zur Verfügung.

 

 

 

Kinder:

 

 

 

Wir wünschen uns, dass die Kinder mitteilen, wenn ihnen etwas nicht gefällt oder sie etwas anderes brauchen.  Sofern die Mädchen und Jungen über ausreichende Sprachkompetenzen verfügen, können sie dies in einer vertrauensvollen Atmosphäre verbal äußern.

 

Kindern, deren Sprachvermögen eingeschränkt ist, fällt es schwerer, eine Beschwerde zu formulieren. Hier sind die Erzieherinnen gefordert, aus den wenigen verbalen und nonverbalen Äußerungen und aus dem Verhalten ein Unbehagen oder eine Beschwerde  zu erkennen.

 

So sind die Fachkräfte besonders aufmerksam, wenn es um die Beobachtung des Verhaltens der Kinder geht. Ob und wie beispielsweise einem  Kind das Essen schmeckt, könnte daran erkennbar sein, ob es den Kopf zur Seite dreht, ob es sehr schnell isst etc. Dies kann eine Form der Beschwerde sein.

 

Des Weiteren werden regelmäßig die Eltern befragt, ob die Kinder sich über die Erlebnisse im Kindergarten äußern und ob es Wünsche nach Veränderung gibt. Mit den Kindern werden Abstimmrunden durchgeführt.

 

Allen Menschen in unserem Haus soll klar sein, dass es völlig in Ordnung und sogar gewünscht ist, seine Meinung zu äußern und über Anliegen zu sprechen. Ebenso gilt es hier vorzuleben, dass jeder wertschätzend behandelt wird, auch, wenn Unzufriedenheiten geäußert werden. Denn auch hier gilt es, den Blick zu weiten, um gemeinsam ans Ziel zu kommen.  Wir machen es uns zum Ziel, unsere Form des Beschwerdemanagements weiter zu entwickeln, und orientieren uns an Fähigkeiten und Bedürfnissen der Mädchen und Jungen.

 

 

 

16.  Therapien im Kindergarten

 

 

 

Unsere Einrichtung verfügt über ein pädagogisches Team, das durch drei therapeutische Berufsgruppen erweitert wird:

 

·               Die Physiotherapie und Bewegungsförderung

 

·               Die Psychologie/Psychotherapie

 

·               Die heilpädagogische Therapie 

 

 

 

Außerdem  bietet unserer Einrichtung den Kindern mit bestehender oder drohender Behinderung die Möglichkeit, innerhalb unserer Öffnungszeiten Logopädie und Ergotherapie durch externe Therapeuten wahrzunehmen.

 

Aus der Einzelarbeit und der Gruppenarbeit gewinnen die Therapeuten wichtige Erkenntnisse über den Teilhabebedarf / Förderbedarf der Kinder. Darauf aufbauend schulen sie das gesamte Team, damit  die passgenaue individuelle Förderung von jedem Teammitglied umgesetzt werden kann.

 

 

 

systemisch - alltagsnah – bedarfsorientiert

 

 

 

Wir verstehen die einzelnen Disziplinen als Netzwerk. Unsere Erfahrungen sind mit Systemischem Wissen untermauert, so dass nicht mehr nur Einzeltherapien und Gruppentherapien als Aufgabe des therapeutisch-gruppenübergreifenden Teams zu verstehen sind, sondern wechselseitige Beratung mit den Kollegen in den Gruppen, Interventionen im Gruppenalltag sowie gemeinsame Einheiten wie Spielgruppen und auch Ausflüge stattfinden.

 

Hausintern finden Fortbildungen zu behinderungsspezifischen Themen (wie Cerebralparese, Autismus, Aufmerksamkeitsfokussierung, Unterstützte Kommunikation, Stereotypien …) oder Therapieansätzen (Alltagshandling, Haltungsförderung und Bewegungsabläufe, Feldenkrais …) aber auch zu allgemeinen Entwicklungsthemen (wie Resilienz, kindgemäße sexuelle Entwicklung …) statt. Wir bemühen uns um effektive, wohlwollende Kommunikation im Team sowie Reflexion des Umgangs mit den Kindern im Alltag (nach Marshall Rosenberg, Marte Meo, Wertequadrat, Salutogenese uvm.)

 


Im Anschluss finden Sie die kurze Beschreibung der Aufgabengebiete unserer Therapeuten.

 

 

 

16.1    Physiotherapie und Bewegungsförderung

 

 

 

Kinder mit Schwierigkeiten in der Bewegungsentwicklung werden alltagsnah begleitet und in Einzel- bzw. Gruppensettings bedarfsorientiert und individuell gefördert.

 

In Verbindung mit den Alltagsanforderungen, den Interessen und Bedürfnissen der Kinder, steht die Feldenkrais Methode als eine übergeordnete Leitidee speziell für unser Haus. In unserer Einrichtungen haben die Kinder die Möglichkeit, von diesem Leitkonzept – welches es nur selten in Kindertagesstätten gibt - zu profitieren.

 

 

 

Dabei werden nicht nur Kinder mit medizinischen Indikationen, sondern auch Kinder mit motorischen Entwicklungsdefiziten, die im Regelfall keine Ärztliche Verordnungen bzw. Rezepte erhalten würden, gefördert. So ist es möglich, frühzeitig zu intervenieren, bevor es unter Umständen zu rehabilitativen Behandlungsbedarfen kommt. Es gilt dabei, präventiv ein Bewusstsein für Bewegungsabläufe spielerisch zu erarbeiten.

 

Die Therapeutin/der Therapeut befasst sich mit folgenden Schwerpunkten in unserer Einrichtung:

 

 

 

Physio-Einzeltherapie

 

 

 

Mädchen und Jungen mit medizinischen Indikationen (Cerebralparese, Fehlstellungen etc.) werden physiotherapeutisch in Einzelsettings und auch im Gruppenalltag begleitet und behandelt.

 

Die Häufigkeit und Dauer der Maßnahmen kann variieren von täglich, mehrmals oder einmal pro Woche und richtet sich nach den individuellen Bedarfen, Interessen und der Tagesform des Kindes.

 

So kann es zu intensiven Therapiephasen oder auch zu Therapiepausen kommen.

 

 

 

Hilfsmittel und Alltagsbegleitung

 

 

 

Ein weiterer Schwerpunkt der physiotherapeutischen Arbeit ist die Abstimmung der Hilfsmittelversorgung (Sitzschale, Therapiestühle, Einlagen, Orthesen, Stehtrainer, Lauftrainer, Toilettenstühle …). Dies geschieht im Austausch mit den Eltern, Erziehern, Ärzten, Therapeuten und Hilfsmittelversorgern.

 

Um sicherzustellen, dass die Hilfsmittel alltagstauglich und teilhabeorientiert zum Kind, zur Gruppe und zur Familie passen, findet die Hilfsmittelversorgung in unserem Haus statt. Somit bieten wir den Jungen und Mädchen im vertrauten Rahmen eine angstfreie Atmosphäre, die eine gute Versorgung ermöglicht.

 

Durch die ständige/regelmäßige Kontrolle und Anpassung werden die Eltern auch an diesem Punkt entlastet.

 

Der Austausch mit den Ärzten ermöglicht eine effektivere Abstimmung ergänzender medizinischer Maßnahmen.

 

Der Alltagseinsatz bestimmter Hilfsmittel wie Stehtrainer, Lauftrainer, Orthesen etc. wird therapeutisch angeleitet und begleitet.

 

Erzieher werden aktiv mit in den Behandlungsprozess integriert, um dem Kind alltagsnahe Hilfestellungen geben zu können (Lagerungen, Förderpflege, Transfers, heben, tragen etc.).

 

Die pädagogischen Fachkräfte erhalten Unterstützung im Alltag und Beratung, um die Arbeit vor allem mit Schwerstmehrfachbehinderten Kindern möglichst ergonomisch für das Kind ausführen zu können.

 

 

 

Die Arbeit in Physio-Gruppen

 

 

 

Auf Basis der Feldenkrais-Methode werden Bewegungsangebote so gestaltet, dass Abfolgen und Übergänge bewusster wahrgenommen werden können. (Gezielte Förderung der Kinästhetischen Wahrnehmung).  So lernen die Kinder spielerisch, ihre Fähigkeiten kennen und ihre Handlungskompetenzen zu erweitern.

 

„Wenn du weißt was du tust, kannst du tun was du willst.“ - Moshe Feldenkrais

 

 

 

Im Umgang miteinander lernen die Kinder sich selbst im Bezug zu ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen besser kennen. Dies erweitert die Sozialkompetenz und die Selbstregulation der Kinder.

 

Die Vielfältigkeit der Kinder wird hier als Chance begriffen, um voneinander zu lernen. Die Gruppen werden sowohl heterogen als auch  homogen angeboten, dies ist abhängig von den jeweiligen Lernzielen.

 

Die heterogenen Gruppen bestehen aus Kindern unterschiedlichster motorischer Fähigkeiten.

 

Die homogeneren Gruppen setzen sich aus Kindern ähnlicher Lernziele zusammen, um individuellere Schwerpunkte zu legen (von Sensomotorik über Psychomotorik zur Soziomotorik).

 

 

 

Durch den regelmäßigen Austausch im Interdisziplinären Team und entsprechende Weiterbildungen wird die Qualität der Behandlungsmaßnahmen gesichert.

 

 

 

Die Therapeutin/der Therapeut gibt  des Weiteren interne Fortbildungen für die Fachkräfte zu unterschiedlichen Themen der Bewegungsentwicklung.

 

 

 

"Bewegung ist Leben. Leben ist ein Prozess.

 

Verbessere die Qualität des Prozesses und du verbesserst das Leben selbst." (M. Feldenkrais)

 

 

 

16.2  Fachbereich Psychologie/Psychotherapie

 

 

 

Zum Leistungsspektrum der Tätigkeit einer Psychologin/eines Psychologen in der integrativen Kindertagesstätte gehören all diejenigen Arbeitsbereiche, die sich auf der Basis der Bedarfe der von uns betreuten Kinder und  deren Familien, sowie der Beratung der MitarbeiterInnen im Umgang mit den Kindern ergeben:

 

Es ist uns wichtig einen guten und vertrauensvollen Kontakt zu den Eltern der bei uns begleiteten Kinder aufzubauen. Falls in den Elterngesprächen Themen deutlich werden, die für die Eltern und/oder das Kind schwierig sind, besteht die Möglichkeit von Beratungsgesprächen.

 

Sofern der Eindruck entsteht, dass die Familie zusätzlich Unterstützung durch ein weiteres Helfersystem

 

(z. B. sozialpädagogische Familienhilfe) benötigt, erfahren die Familien durch die Psychologin/den Psychologen Hilfe, dieses Netzwerk aufzubauen.

 

Sofern auf der Basis von Informationen aus Elternkontakten und aus dem direkten Erleben des Kindes deutlich wird, dass dieses Kind bei der Verarbeitung von Themen Hilfe benötigt, kann psychotherapeutisch Spieltherapie angeboten werden. Diese berücksichtigt auch eine systemische Sichtweise auf die Familie. Die Familie kann in diese Begleitung mit einbezogen werden. Dazu ein Beispiel: Besteht eine Interaktionsschwierigkeit zwischen einem Elternteil und dem Kind, so kann es Sinn machen, gemeinsam mit dem Kind und dem Elternteil in einer (therapeutischen) Spielsituation die ungünstigen Interaktionsmuster zwischen beiden zu beobachten und zusammen mittels des gemeinsamen Spiels in günstigere zu verwandeln (wobei die Therapeutin/der Therapeut u.a. als hilfreiches Modell für einen anderen Umgang zur Verfügung steht und auch direkt in der Spielsituation unterstützt).

 

Die Eltern der beeinträchtigten Kinder befinden sich nicht selten erst am Anfang eines oft schmerzvollen Verarbeitungsprozesses der Tatsache, dass ihr Kind behindert ist, das heißt, sich vielleicht nicht so entwickeln wird, wie es die Eltern erwartet haben. Es kann sehr wichtig sein, die Eltern auf diesem Verarbeitungsweg empathisch zu begleiten und zu helfen, anzuerkennen, welche Stärken, aber auch welche „Schwächen“ ihr Kind im Laufe der Entwicklung zeigt. Wenn die Eltern einen realistischen Blick auf ihr Kind haben, können sie auch kompetenter nach den passenden Fördermöglichkeiten suchen und ihr Familienleben selbstbewusster gestalten. Es kann auch deutlich werden, dass die Eltern im Umgang mit dem Kind unsicher sind und Erziehungsberatung wünschen. Hier können dann mit den Eltern Strategien für einen angemesseneren Umgang mit dem Kind erarbeitet werden.  Dabei kann es hilfreich sein, auch zusammen mit der zuständigen Bezugserzieherin ein Elterngespräch zu führen und die Erfahrungen mit dem Kind in unserer Einrichtung zu nutzen.

 

Da wir uns um ein möglichst genaues Verstehen der Mädchen und Jungen und deren Familien bemühen, werden die Bedarfe der Kinder und Familien im Rahmen von regelmäßigen interdisziplinären Gesprächen besprochen und reflektiert. So können möglichst gut passende Ziele in der Arbeit mit diesen abgeleitet werden (Supervision).

 

Neben den kind- und familienbezogenen Themen können im Rahmen der Supervision aber auch Dynamiken zwischen den Kindern in der Gruppe angesprochen/reflektiert werden. Des Weiteren finden die Kollegen hier Unterstützung für ihre Teamarbeit.

 

Sofern in den Familien Familienhelfer oder andere Helfersysteme tätig sind, arbeitet die Psychologin/der  Psychologe mit diesen zusammen (Netzwerkarbeit). Dies kann den Austausch mit anderen Therapeuten, mit Ärzten, SPZ, Jugendamt und anderen Institutionen/Einrichtungen etc. umfassen.

 

Gelegentlich zeichnet sich ab, dass die Familie mit den Bedarfen des Kindes überfordert erscheint.  Falls sich dies in den Elterngesprächen bestätigt, wird erarbeitet, ob es hilfreich und sinnvoll wäre, dass das Kind in eine Pflegefamilie aufgenommen wird. Eine Begleitung dieses Prozesses des Wechsels in eine Pflegefamilie kann dazu führen, dass die leiblichen Eltern mit den Pflegeeltern gut kooperieren und das Kind diese Veränderung besser verarbeitet, so dass alle Beteiligten mit der Situation  angemessener umgehen können.

 

Sofern Kinder bereits in einer Pflegefamilie leben, bietet die Psychologin/der Psychologe dieser auch Unterstützung an. Das kann Themen umfassen wie Umgang mit den leiblichen Eltern und Besuchskontakt, Verstehen der Psychodynamik des Kindes und entsprechend angemessenem Umgang mit dem Kind, Fragen zur Behinderung/Beeinträchtigung und vieles mehr.

 

Wie alle Einrichtungen für Kinder sind auch wir in der Pflicht, Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung nachzugehen. Diesem Schutzauftrag kommen wir u. a. nach, indem wir uns regelmäßig über die Kinder austauschen (siehe Supervision, interdisziplinärer Austausch). Ergibt sich daraus, dass wir Sorge um das Kindeswohl haben, nimmt die Psychologin/der Psychologe Kontakt zu den Eltern/Bezugspersonen auf, sofern dies das Kind nicht gefährdet. Bei Bedarf wird dann auch mit den zuständigen Institutionen, z. B. Jugendamt zusammen gearbeitet (siehe hierzu auch „Kindeswohl und Kindesschutz“).

 

Im Akutfall zählt es auch zum Aufgabengebiet, mittels Krisenintervention das Kind und/oder die Eltern zu unterstützen.

 

Erweiternd bietet die Psychologin/der Psychologe regelmäßige interne Fortbildungen zu aktuellen oder gewünschten Themen wie z. B. kindliche Sexualität, ADHS, etc. für das Team an.

 

16.3  Die heilpädagogische Therapie

 

 

 

Die Heilpädagogische Therapie bietet die Möglichkeit, das Lernfeld auf die Fähigkeiten des jeweiligen Kindes abstimmen zu können, um den Umgang mit Anforderungen, die das Kind im Alltag überfordern, in Modellsituationen anzubahnen. Therapeutisches Setting bedeutet regelmäßig, mindestens 1x pro Woche, 1:1 mit dem Kind zu arbeiten.

 

Außerhalb des Therapeutischen Settings werden die Kinder auch in spontanen oder vorhersehbaren Alltagssituationen begleitet. Das kann so aussehen, dass ein Kind mit sozialen Anpassungsschwierigkeiten bei Mahlzeiten 1:1 begleitet wird oder ein Kind in Spielsituationen, die für das Mädchen oder den Jungen chaotisch verlaufen direkt unterstützt wird.

 

Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen über aktuelle Vorhaben, Probleme und Möglichkeiten findet regelmäßig statt.

 

Wenn die Fähigkeiten der Kinder trotz Beobachtung unklar bleiben oder der Verdacht auf eine bestimmte Problematik hinsichtlich des Lernverhaltens besteht, werden auch Entwicklungstests mit den Kindern eingesetzt, um ein objektiveres Bild zu bekommen.

 

Die Familien der Kinder können bei Bedarf spezieller zu Schwierigkeiten beraten werden.

 

 

 

 

 

Beispiele aus dem Heilpädagogischen Therapieangebot:

 

 

 

Körper, Atmung, Sinne – Basale Begegnung

 

 

 

è      in einem gleichbleibenden Rahmen gezielte Wahrnehmungsangebote machen, die das Kind verstehen lernt und auf kleinste Reaktionen von ihm eingehen (Basale Stimulation, Basale Kommunikation ... )

 

 

 

 

 

In Kontakt kommen und Verständigen

 

 

 

è      durch Spiegeln und Spielen mit den Ausdrucksformen des Kindes erschließen sich eindeutigere Verständigungsmöglichkeiten (Aufmerksamkeits-Interaktions-Förderung, Kontaktreflexion ... )

 

 

 

 

 

Alternative Kommunikationsformen anbahnen

 

 

 

è      mit Symbolen, Gebärden, Tastern und anderen Hilfsmitteln kommunikative Effekte erzielen, verfestigen, erweitern  (Unterstützte Kommunikation, Visualisierung ... )

 

 

 

 

 

Ausdrucksformen mit Spaß entfalten, Gestaltungsmöglichkeiten entdecken

 

 

 

è      über musische oder gestalterische Elemente Möglichkeiten geben, sich mitzuteilen, auszudrücken und Spannungen abzubauen (Trommeln, Malen, Bauen ...)

 

 

 

 

 

Erfolgserlebnisse anregen: „Yo, wir schaffen das!“

 

 

 

è     

...  nur echt mit  ...

  Li-La-Links-Uhr! 

einfache, klar strukturierte Spiel- und  Arbeitssituationen schaffen, die dabei helfen, eigene Handlungsentwürfe zu entwickeln, auszuprobieren und zu verfeinern   (Spielen mit dem PERTRA-Satz, baufix, Konstruktionsspiele, LEGO, Bob, der Baumeister... )

 

 

 

 

 

 

Heilpädagogische Therapie hat speziell Kinder im Fokus

 

 

 

·                     mit Kommunikationsstörungen

 

·                     mit Wahrnehmungsstörungen

 

·                     mit autistischem Verhalten

 

·                     mit Störungen in der Handlungsplanung

 

·                     mit Aufmerksamkeitsproblemen

 

·                     mit Schwerstbehinderung

 

·                     mit kognitiven Problemen

 

 

 

Heilpädagogische Konzepte, die in der Therapie Anwendung finden

 

 

 

·                     Wahrnehmung fördern und Handlungsstrategien erarbeiten

 

 

 

o   Strukturierung (vgl. TEACCH)

 

o   FROSTIG (Visuelle Ruhewahrnehmung auf Handlung übertragen)

 

o   AFFOLTER (Führen in problemlösenden Situationen)

 

o   FRÖHLICH (Basale Körperbezogen Arbeit)

 

 

 

·                     Kommunikationskonzepte

 

 

 

o   Strategien der Aufmerksamkeits-Interaktions-Therapie (HARTMANN)

 

o   Basale Kommunikation (MALL) / Basale Stimulation (FRÖHLICH)

 

o   Kontaktreflexion (PRÄ-Therapie -> PROUTY)

 

o   Kommunikationsentwicklung nach KANE u.a.

 

o   Unterstützte Kommunikation (versch. Ansätze)

 

o   Trommeln, Musik und kommunikatives Malen

 

 

 

·                     übergreifende Grundlagen

 

 

 

o   Systemisches Verständnis (vgl. Gunther Schmidt)

 

o   Personzentrierte Grundhaltung (vgl. PÖRTNER)

 

o   Spieltherapeutische Aspekte (vgl. SCHMIDTCHEN, Selbstkonzeptannahmen)

 

o   Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten

 

o   Handling bei Körperbehinderungen (insbesondere Cerebralparese)

 

o   Verhaltensmodifikation

 

§  Angst-Sicherheits-Lernprozess

 

§  Kognitives Modellieren

 

§  Strukturierte Handlungsangebote

 

 

 

 

 

 

 

Diagnostik     

 

 

 

Standardisierte Entwicklungsgitter oder Tests können eingesetzt werden, wie FEW (visuelle Wahrnehmung/FROSTIG), K-ABC (Intelligenztest) ebenso Entwicklungsgitter (Strassmeier)

 

Diagnostik geschieht i.d.R. aber prozessorientiert anhand Alltagsbeobachtungen und Erfahrungsaustausch.

 

 

 

Allgemeine Vorgehensweise

 

 

 

1. Definition der Ausgangslage und gemeinsame Zielplanung mit Gruppenteams

 

è Austausch über Vorerfahrungen, Vorstellungen, Erwartungen, Probleme ...

 

2. Beobachtungsphase in der Gruppe

 

è Einblick in typische (Problem-)Situationen wie Frühstück, Mittagessen, Aktivitäten

 

3. Probe-/Abcheckphase

 

è etwa 4 Fördereinheiten zum Kennenlernen/„Beschnuppern“

 

4. Zielreflexion mit Gruppe und Perspektive

 

è Austausch über Erkenntnisse aus der Abcheckphase

 

5. Regelmäßige Therapiesettings

 

 

 

Rahmen für Heilpädagogische Therapie:

 

 

 

·                     Therapien sollten regelmäßig (1x pro Woche) stattfinden.

 

·                     Das kann klassisch quantitativ in etwa 20 Einheiten á 45 Min (2 morgens, 2 mittags) plus Vor-und Nachbereitung oder bei erhöhtem Bedarf etwa 25 Einheiten (3 morgens á 30 Min, 2 mittags á 45 Min) stattfinden.

 

·                     Aber auch individuell als Krisenintervention bei Kindern, die durch massives Problemverhalten (Aggressionen, Autoaggressionen) den Gruppenalltag überfordern

 

·                     Und bei Bedarf z.B. während den Mahlzeiten in den Gruppen geschehen (hospitieren, mithelfen, Förderangebot…)

 

  

 

Therapieergänzende Zeiten

 

 

 

·                     für Elterngespräche und Hospitationen (z.B. während den Mahlzeiten)

 

·                     für Therapeutenteams (1x pro Woche während dem Mittagessen)

 

·                     für Selbst-/Fortbildung (in der Vorbereitungszeit und in Teams)

 

·                     für Raumorganisation/Strukturierung / Neuordnung

 

 

 

Beratung, kollegialer und  interdisziplinärer Austausch

 

 

 

·                    Austausch mit Kollegen der Gruppen (und Therapeuten) über Therapiekinder

 

·                    Abstimmung der Therapieangebote in Therapeutenteams

 

·                    Praktikantengespräche (Alltagsreflexion, Heilpädagogischer Input)

 

·                    Information und Beratung von Eltern

 

 

 

·                    Gespräche mit externen Therapeuten

 

·                    interne Weiterbildung und Selbstbildung    

 

 

 

Zwei grundlegende und zusammengehörige Prinzipien in der Beratung:

 

 

 

·                    Durch Fragen, Sicht in unterschiedliche Richtungen anbieten, die nützliche Einsichten in 

 

             Problemstellungen, Lösungsmöglichkeiten, Ressourcen, Sichtweisen anderer oder eigener

 

             Muster ermöglichen können. 

 

·            Durch Fachliche Sichtweisen/Informationen/Hypothesen im Austausch Standpunkte

 

           ergänzen, erweitern, festigen, in Frage stellen …

 

 

 

Rahmen für interne Beratung

 

 

 

·                     Regelmäßig 14-tägig für jede Gruppe an den Wochentagen Di, Do, Fr

 

·                     Teilnehmer Gruppe + Therapeuten (Leitung auf Anfrage)

 

·                     zeitlicher Rahmen i.d.R. 7:50 Uhr – 8:35 Uhr

 

è bis 8:45 Uhr möglich, wenn andere Gruppen die Kinder abholen und betreuen

 

·                     extra Gespräche nach Abstimmung möglich

 

·                     Fachbezogene interne Fortbildung  (Autismus, Wahrnehmung, Kommunikation …)

 

 

 

Netzwerkarbeit

 

 

 

·                     Kindspezifische Fachberatung und themenspezifische Fortbildung von anderen Kindergärten/ Institutionen möglich

 

 

 

17.  Zusammenarbeit mit Schulen

 

 

 

Die Vorbereitung auf die Schule sieht in unserer Einrichtung sehr individuell aus. Gemeinsam  mit den Kindern und Eltern sind wir stets bemüht, zusammen mit den Eltern die für das jeweilige Bedürfnis des Kindes passende Schule zu finden. Natürlich bieten wir allen Mädchen und Jungen die Möglichkeit, an sogenannten Vorschulprogrammen teilzunehmen. Diese sehen sehr unterschiedlich und individuell aus. So handelt es sich i.d.R. um Kleingruppen, in denen es noch besser möglich ist, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mädchen und Jungen einzugehen.

 

Die sich im letzten Jahr vor der Einschulung befindenden Mädchen und Jungen  und deren Eltern werden von den Fachkräften in dieser oft emotionalen Phase gerne begleitet. So kommt es vor, dass die Fachkräfte gemeinsam mit Eltern Schulen aufsuchen. Es besteht eine Kooperation mit  der Don Bosco Schule, der Ellerbachschule, der Bethesda-Schule, der Bodelschwingh Schule, der Sprachschule in Idar-Oberstein, der Schwerpunkschule Kleistschule Bad Kreuznach, der Schwerpunktschule Rüdesheim sowie den örtlichen Grundschulen von Bad Kreuznach.

 

Diese Vielzahl an (Kooperations-)Schulen erfordert eine enge Zusammenarbeit und einen großen Austausch von Kindergarten und Schulen. 

 

Die Kinder der integrativen Gruppen werden genauso eng begleitet und nehmen an den Kooperationstreffen der örtlichen Grundschulen teil. In der Regel versuchen wir, auch hier schon mit den benachbarten Kindergärten sogenannte „Vorschulkinder- Kooperationsgruppen“ zu bilden, damit die Kinder ihre zukünftigen Klassenkameraden schon kennenlernen können.

 

 

 

18.  Kooperationen

 

 

 

Wir kooperieren in erster Linie mit den Mädchen und Jungen, deren Familien und Unterstützungssystemen,

 

mit den Kinderärzten und Therapeuten, mit den unterschiedlichen Fachdisziplinen des SPZ der kreuznacher diakonie (Ärzte, Psychologen, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sekretariat),

 

mit dem Landesverband der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz und der Regionalgruppe der Leitungen der Kindergärten für Kinder mit Behinderung, mit dem Kinderhaus Arche der kreuznacher diakonie und der Praxis Hand in Hand in Windesheim, mit Kindergärten in Stadt und Kreis Bad Kreuznach

 

mit dem Gesundheitsamt, dem Sozialamt und den Jugendämtern, mit Familienhelfern,

 

mit Mitarbeitern des iB (Internationaler Bund), mit dem Landessprachheilzentrum in Meisenheim, aber auch mit ortsansässigen Vereinen und Interessengruppen. Gutes Netzwerk ist für uns essentiell um allen Kindern und Familien so gut wie möglich zur Seite stehen zu können.

 

 

 

Aus diesem Grund sind unsere Fachkräfte stets in guten Austausch und immer interessiert an Kooperationstreffen teilzunehmen.

 

Die Art der Kooperation kann, abhängig von den Bedarfen, sehr unterschiedlich aussehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

19.  Anhang

 

 

 

Lebenshilfe Bad Kreuznach e.V.

 

Leitbild

 

Wir gehen grundsätzlich vom Wohlwollen im menschlichen Miteinander aus. Wir respektieren die Unterschiedlichkeit aller Menschen, soweit sie das „Wir“ nicht beeinträchtigt.

 

Es gibt keine „Blaupause“ für Arbeit mit Menschen. Unsere Arbeit ist ein „Lebenslernbuch“. Täglich neu und von Mensch zu Mensch anders, sind Einfallsreichtum und schöpferische Kraft gefragt. Das Lebendige ist größer als wir alle zusammen. Deshalb verstehen wir uns selbst als Lernende.

 

Nationalität, Geschlecht und Religion sind für gute Arbeit und gemeinsames Leben nicht entscheidend.

 

Dies gilt sowohl für die Zusammenarbeit mit den uns anvertrauten Menschen, als auch für deren Angehörige und gesetzlichen VertreterInnen,  unsere MitarbeiterInnen, Mitglieder und  institutionellen PartnerInnen.

 

Wohlwollen in der Kommunikation

 

In unserer Kommunikation unterscheiden wir zwischen Wahrnehmung und Bewertung. Gelingende Kommunikation bedeutet, Fantasien durch Informationen zu ersetzen. Deshalb sind wir bereit, unsere eigene Meinung auf den Prüfstand zu stellen. Das setzt voraus, dass wir uns selbst kennen und uns unserer jeweiligen Wirkung auf andere bewusst sind.

 

Wohlwollen im Verhalten

 

Konflikte verstehen wir als gute Willen, die noch keine gemeinsame Schnittstelle gefunden haben.  Deshalb finden wir in aufrichtigem Austausch heraus, um welche guten Absichten es sich jeweils handelt. Wir akzeptieren, wenn wir dabei nicht weiterkommen; wir lassen dem Anderen Zeit. Wir verzichten auf jede Form von Gewalt, die bereits mit einem (Vor-)Urteil , einem urteilenden Gesichtsausdruck beginnt.

 

Wohlwollen in der Leitung

 

Aufgaben und Kompetenzen unserer Leitungskräfte sind klar und unmissverständlich geregelt. Leitungskräfte sind grundsätzlich fachlich,  sozial und persönlich befähigt. Leitungskräfte nehmen ihre Aufgaben verbindlich und in Verantwortung wahr.  Sie sind besonders für das „Wir“ und das Sicherheitsgefühl aller verantwortlich. Sie achten bei sich und den MitarbeiterInnen darauf, dass das „Ich“ nicht über dem „Wir“ steht. Sie machen es nicht „jedem recht“, sondern sorgen für Gerechtigkeit. Sie bemühen sich um wertschätzende Rückmeldung  an ihre MitarbeiterInnen. Entscheidungen geht die sorgfältige Kommunikation mit MitarbeiterInnen, Vorgesetzten und ggfs Betroffenen voraus.  Leitungskräfte sorgen für Transparenz in ihren Entscheidungen. Kulturbildend und vorbildlich ist es, wenn Leitung ihr Augenmerk auf mögliche Schwachstellen bei sich selbst richtet. Selbstbeobachtung, Selbsterkenntnis und –entwicklung werden erwartet.

 

 

 

Wohlwollen in der Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen

 

Unsere MitarbeiterInnen tauschen ihre Eindrücke und Fragen  im Team aus. Sie fragen KollegInnen im Zweifelsfall um Rat.  Sie schätzen die vielfältigen unterschiedlichen fachlichen und sozialen Befähigungen der KollegInnen als eine Bereicherung. Sie achten selbst darauf, ihr „Ich“ nicht über das „Wir“ zu stellen. Sie akzeptieren ihre Leitungskräfte in deren Verantwortung für das „Wir“. Sie tauschen sich offen, ehrlich, authentisch und unter Verzicht auf Bewertungen aus. Sie beteiligen sich nicht an Gerüchten. Sie geben nur Informationen weiter, die sachlich wahr sind. Wichtige Entscheidungen über das Leben in der Gemeinschaft  und die Entwicklung der uns anvertrauten Menschen werden immer im Team getroffen. Angehörige  und gesetzliche BetreuerInnen verstehen wir als gute PartnerInnen, denen wir auf Augenhöhe begegnen. Wir handeln im Einvernehmen mit ihnen. Ihre Verantwortung als BezugsbetreuerInnen für einen Ihnen besonders anvertrauten Menschen nehmen unsere MitarbeiterInnen verbindlich und  zuverlässig wahr. In Konflikten, in denen sie den guten Willen des Anderen nicht finden können, holen sie  im Team und bei der Leitung Rat.  Im Falle nicht lösbarer Teamkonflikte besteht die Erwartung, dass sie Supervision, Enneavision und/oder externe Beratung in Anspruch  nehmen.

 

Wohlwollen  in der Arbeit mit uns anvertrauten Menschen

 

Die uns anvertrauten Menschen sind ehrlich, direkt, authentisch. Mit ihren Entwicklungen und Fortschritten bewirken sie große Freude und Anerkennung. Unabhängig von ihrem jeweiligen Teilhabebedarf ist jedeR vor allem eine individuelle Persönlichkeit mit einem je individuellen Charakter/Muster. Dies kennen, verstehen, und wertschätzen zu lernen, braucht Zeit, Geduld, und Bereitschaft zur Weiterbildung und Selbstentwicklung.

 

Wir arbeiten zusammen mit Menschen in jedem Lebensalter.

 

Im Kindesalter steht dabei die Förderung von Teilhabefähigkeiten im Vordergrund mit dem Ziel, eigenständiger für sich und in einer Gemeinschaft handeln und verstehen zu lernen.  Wohlwollen heißt für uns, achtsam zu sein für das, was das einzelne Kind jetzt braucht, auch wenn es dies nicht passend ausdrücken kann und dafür, wie wir dies mit Rücksicht auf die Gemeinschaft jetzt oder zu einem alternativen Zeitpunkt umsetzen können. Wir melden dies dem Kind zurück und bieten Lösungen an, die für die Sitation angemessen sind. Wenn wir ein Verhalten nicht verstehen, suchen wir in internen Beratungsgesprächen gemeinsam nach Lösungen.

 

Dass wir Menschen häufig über Jahrzehnte begleiten, betrachten wir als Geschenk und große Chance. Wohlwollen bedeutet in diesem Zusammenhang, das entgegengebrachte Vertrauen zu schätzen, die jeweiligen Entscheidungen zu verstehen und zu akzeptieren, Zeit zu haben und vor allem zuzuhören

 

Die uns anvertrauten erwachsenen Menschen bestimmen selbst, wie sie leben möchten. Dies ist ganz in unserem Sinne. Darin unterstützen wir jede/N einzelne/N  und die Gruppe. Klare Grenzen setzen wir im Falle von Selbst- und Fremdgefährdung und  der Gefährdung des „Wir“.  Die uns anvertrauten Menschen haben Träume und Hoffnungen, für deren Verwirklichung sie unsere Unterstützung brauchen und gerne erhalten.

 

Menschen, die bei uns ihr Zuhause haben, leben so lange bei uns, wie sie dies wünschen.  Unser Wohlwollen hängt nicht von stetiger Weiterentwicklung und Fortschritt ab, sondern gilt auch dem erfüllten Leben, dem Bedarf an Pflege und Beistand.  Für die Begleitung sterbender Menschen und die  Gestaltung eines würdevollen gemeinsamen Abschieds sind wir bereit und erfahren.

 

Wir bieten unseren fachlichen Rat an, ohne es besser zu wissen.

 

Als Selbsthilfe bieten wir den Austausch auf Augenhöhe, das Teilen besonderer emotionaler Herausforderungen und Solidarität im Alltag unter allen Menschen, die dies wünschen.

 

Wir begleiten Menschen auch in Auseinandersetzungen mit Leistungsträgern, wenn sie sich dies wünschen.

 

Wohlwollen als Verein und Arbeitgeber

 

Wohlwollen bedeutet, Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und deren  Angehörige als ExpertInnen in eigener Sache zu schätzen. Mehrheitlich stellen sie aus ihrer Mitte den Vorstand und treffen alle wichtigen Entscheidungen. Die Lebenshilfe stellt damit ein hohes Maß an Mitbestimmung Betroffener auch in der Zukunft sicher.

 

Mitglieder des Vorstandes sind oft auch (gesetzliche) Angehörige. Interessenkonflikte, die daraus entstehen können, werden offen kommuniziert.

 

Ehrenamtliches Engagement der Mitglieder wird geschätzt und gefördert. Insbesondere  der Selbsthilfe kommt dabei eine hohe Bedeutung zu.

 

Der Maßstab der Lebenshilfe – auch als Arbeitgeberin - ist das Wohlergehen der ihr anvertrauten Menschen.

 

Die Lebenshilfe als Arbeitgeberin ist sich bewusst, dass die Qualität aller Dienstleistungen für geistig beeinträchtigte Menschen vor allem durch ihre MitarbeiterInnen garantiert wird.  Wohlwollen bedeutet in diesem Zusammenhang, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die MitarbeiterInnen ermöglichen, in Balance zu bleiben. Dies geschieht durch angemessene Stellenpläne, Einhaltung tarifrechtlicher und gesetzlicher Regelungen, wertschätzende Kultur, transparente Entscheidungen, ehrliche Kommunikation, enneagrammatische Sichtweise. Soweit dies wirtschaftlich möglich ist, stellt die Lebenshilfe Fortbildung, Supervision, Enneavision sicher.

 

Die Lebenshilfe Bad Kreuznach versteht sich als politische, überparteiliche Interessenvertretung geistig beeinträchtigter Menschen und ihrer Angehörigen.

 

Das Leitbild wurde unter Beteiligung aller Mitarbeitenden, die dies wünschten,  dem Betriebsrat, dem Vorstand und den Leitungskräften der Lebenshilfe beginnend im Januar 2018  in drei mehrtägigen Fortbildungen und vier Leitbildtagen gemeinsam entworfen.

 

Das Leitbild der Lebenshilfe Bad Kreuznach e.V. wurde in der Sitzung des Vorstandes der Lebenshilfe am 27.11.2018 einstimmig beschlossen.