Ambulant begleitetes Wohnen

 

Die Lebenshilfe betreut zur Zeit 20 Menschen, welche allein oder in Partnerschaft in Ihnen eigenen Wohnungen leben. Die  Fach- und Assistenzkräfte begleiten und assistieren den Menschen in den verschiedensten Alltagssituationen im Einzelwohnen.

 

Diese Entwicklung hin zu einer gesellschaftlichen Normalität im Bereich des Wohnens von Menschen mit Behinderung wird von der Lebenshilfe unterstützt und gefördert.

Damit jedoch die Umsetzung und die notwendige Assistenz der Menschen mit Behinderung gewährleistet werden kann, bedarf es intensiver Arbeit durch das Betreuungspersonal und einer strukturierten Konzeption.

Total ohne Hilfe gelingt das Alleinwohnen erfahrungsgemäß nicht.

 

Eine geistige Beeinträchtigung lässt sich nicht beseitigen oder ausklammern; sie ist Bestandteil des Lebens und Ursache für Schwierigkeiten im Alltag. Hier setzt die ambulante Hilfe ein, um genau diese Schwierigkeiten durch pädagogisch fundierte Anleitung und Hilfe zur Selbsthilfe gemeinsam bewältigen zu können.

 

Damit das ambulant betreute Wohnen gelingt, müssen bei den betroffenen Menschen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  •  Der realistische Wunsch und die Eigenmotivation zu selbstständigem Wohnen
  • Weitgehende Selbstständigkeit im lebenspraktischen Bereich, d.h. ein ausreichendes Maß an sozialer Kompetenz
  • Weitgehende Selbstständigkeit im Bereich der Selbstversorgung und Hygiene
  • Zuverlässige Kenntnisse der wichtigsten in einem Haushalt anfallenden Arbeiten, wie Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen etc.
  • Ein akzeptables Sozialverhalten, um in einer „normalen“ Nachbarschaft, mit anderen Mietern und Mieterinnen im Haus zurechtzukommen
  • Ein ausreichendes Maß an Fähigkeit zur Kommunikation und Artikulation, um sich verständlich mitteilen zu können, ein Telefon bedienen zu können, gebräuchliche Hinweisschilder zu erkennen, etc.
  • Öffentliche Verkehrsmittel richtig benutzen zu können
  • Die Freizeit weitgehend selbstständig und sinnvoll gestalten zu können
  • Die Bereitschaft, Hilfe zu akzeptieren und mit einem Betreuer oder einer Betreuerin zusammenzuarbeiten

Die Aufgabenbereiche der pädagogischen Fachkraft in der ambulanten Betreuung umfassen unter anderem:

  • Tatkräftige Hilfe bei der Gründung eines Haushaltes, einschließlich der vorbereitenden Gespräche, der Interessenabklärung, der Wohnungssuche, der Herrichtung und Einrichtung der Wohnung, etc.
  • Fürsorgliche Betreuung im Bereich der gesamten medizinisch-therapeutischen Versorgung, falls erforderlich und gewünscht, Begleitung bei Arztbesuchen beziehungsweise Kontakt zu den behandelnden Ärzten
  • Hilfe bei der Zusammenarbeit mit Ämtern, Behörden, Beantragung der zustehenden Beihilfen, etc.
  • Beratung bei der Planung im Umgang mit den vorhandenen finanziellen Mitteln
  • Ernährungsberatung, Hilfe bei der Vorratshaltung und dem Einkauf
  • Beratung und Einübung von sinnvollem Konsumverhalten
  • Begleitung und Beratung bei der Integration in das unmittelbare Wohnumfeld und der Teilnahme am kulturellen bzw. Vereinsleben
  • Konfliktintervention bei Schwierigkeiten der Hausgemeinschaft sowie bei Auseinandersetzungen mit den Hauseigentümern oder Nachbarn
  • Begleitung von Partnerschaftsbeziehungen sowie die Beratung bei Beziehungskonflikten
  • Soweit möglich und von den Betroffenen gewünscht, wird auch die Beziehungsebenezu Eltern, Geschwistern und Verwandten begleitet und gefördert
  • Beratende Hilfen und Kontaktpflege zum Arbeitsplatz beziehungsweise der Werkstatt für Behinderte
  • Planung, Organisation und Vermittlung von Urlaubsmaßnahmen und Ferienfreizeiten

 

Die pädagogischen Ziele einer ambulanten Betreuung ergeben sich bereits weitgehend aus dem umfassenden Aufgabenkatalog, insbesondere sollen aber folgende Schwerpunkte gesetzt werden:

  • Die Verbesserung des Wohlbefindens, der persönlichen Lebenszufriedenheit und der Lebensqualität
  • Die Erweiterung der sozialen Kompetenz, der Selbstständigkeit und Selbstsicherheit sowie der Unabhängigkeit im Sinne der Verringerung der Fremdbestimmung
  • Die Verbesserung der sozialen Integration und der Teilhabe
  • Die Verbesserung der Akzeptanz der Behinderung durch die Umwelt
  • Die Hinführung zu sinnvoller Freizeitgestaltung und zu reflektiertem Konsumverhalten

 

Die genannten Ziele werden durch regelmäßige Hausbesuche der Fachkraft umgesetzt. Darüber hinaus ist sie zu festen Zeiten persönlich oder telefonisch erreichbar. Infrage kommende Angebote der Erwachsenenbildung

werden angeregt und begleitet, zum Beispiel Alphabetisierungskurse, Handarbeitskurse, Kochkurse und/oder die aktive Teilnahme am öffentlichen beziehungsweise Vereinsleben, wie Kegelclub, Wandern, Sportverein, etc.

Die Fachkraft hält den regelmäßigen Kontakt zu den mit den Betreuten arbeitenden Kollegen und Kolleginnen in der Werkstatt für Behinderte, spricht anstehende Probleme an und sucht gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten.

 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Betreuungsarbeit ist die vertrauensvolle und partnerschaftliche

Beziehung zwischen den behinderten Menschen und ihrer Bezugsperson. Die Pflege dieses Vertrauensverhältnisses ist vordringlich Aufgabe des betreuenden Personals. Die Wohnassistenz wird inhaltlich und zeitlich in den Teilhabekonferenzen der Kostenträger festgelegt. Dem geht die Erstellung des Individuellen Teilhabeplans voraus. Bei der Entscheidung und der Planerstellung ist der Mensch mit Behinderung eingebunden.