Lebenshilfe Bad Kreuznach e.V.

 

 

Leitbild

 

 

Wir gehen grundsätzlich vom Wohlwollen im menschlichen Miteinander aus. Wir respektieren die Unterschiedlichkeit aller Menschen, soweit sie das „Wir“ nicht beeinträchtigt.

 

Es gibt keine „Blaupause“ für Arbeit mit Menschen. Unsere Arbeit ist ein „Lebenslernbuch“. Täglich neu und von Mensch zu Mensch anders, sind Einfallsreichtum und schöpferische Kraft gefragt. Das Lebendige ist größer als wir alle zusammen. Deshalb verstehen wir uns selbst als Lernende.

 

Nationalität, Geschlecht und Religion sind für gute Arbeit und gemeinsames Leben nicht entscheidend.

 

Dies gilt sowohl für die Zusammenarbeit mit den uns anvertrauten Menschen, als auch für deren Angehörige und gesetzlichen VertreterInnen,  unsere MitarbeiterInnen, Mitglieder und  institutionellen PartnerInnen.

 

 

 

Wohlwollen in der Kommunikation

 

 

In unserer Kommunikation unterscheiden wir zwischen Wahrnehmung und Bewertung. Gelingende Kommunikation bedeutet, Fantasien durch Informationen zu ersetzen. Deshalb sind wir bereit, unsere eigene Meinung auf den Prüfstand zu stellen. Das setzt voraus, dass wir uns selbst kennen und uns unserer jeweiligen Wirkung auf andere bewusst sind.

 

 

 

Wohlwollen im Verhalten

 

 

Konflikte verstehen wir als gute Willen, die noch keine gemeinsame Schnittstelle gefunden haben.  Deshalb finden wir in aufrichtigem Austausch heraus, um welche guten Absichten es sich jeweils handelt. Wir akzeptieren, wenn wir dabei nicht weiterkommen; wir lassen dem Anderen Zeit. Wir verzichten auf jede Form von Gewalt, die bereits mit einem (Vor-)Urteil , einem urteilenden Gesichtsausdruck beginnt.

 

 

 

 

Wohlwollen in der Leitung

 

 

Aufgaben und Kompetenzen unserer Leitungskräfte sind klar und unmissverständlich geregelt. Leitungskräfte sind grundsätzlich fachlich,  sozial und persönlich befähigt. Leitungskräfte nehmen ihre Aufgaben verbindlich und in Verantwortung wahr.  Sie sind besonders für das „Wir“ und das Sicherheitsgefühl aller verantwortlich. Sie achten bei sich und den MitarbeiterInnen darauf, dass das „Ich“ nicht über dem „Wir“ steht. Sie machen es nicht „jedem recht“, sondern sorgen für Gerechtigkeit. Sie bemühen sich um wertschätzende Rückmeldung  an ihre MitarbeiterInnen. Entscheidungen geht die sorgfältige Kommunikation mit MitarbeiterInnen , Vorgesetzten und ggfs Betroffenen voraus.  Leitungskräfte sorgen für Transparenz in ihren Entscheidungen. Kulturbildend und vorbildlich ist es, wenn Leitung ihr Augenmerk auf mögliche Schwachstellen bei sich selbst richtet. Selbstbeobachtung, Selbsterkenntnis und –entwicklung werden erwartet.

 

 

 

Wohlwollen in der Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen

 

 

Unsere MitarbeiterInnen tauschen ihre Eindrücke und Fragen  im Team aus. Sie fragen KollegInnen im Zweifelsfall um Rat.  Sie schätzen die vielfältigen unterschiedlichen fachlichen und sozialen Befähigungen der KollegInnen als eine Bereicherung. Sie achten selbst darauf, ihr „Ich“ nicht über das „Wir“ zu stellen. Sie akzeptieren ihre Leitungskräfte in deren Verantwortung für das „Wir“. Sie tauschen sich offen, ehrlich, authentisch und unter Verzicht auf Bewertungen aus. Sie beteiligen sich nicht an Gerüchten. Sie geben nur Informationen weiter, die sachlich wahr sind. Wichtige Entscheidungen über das Leben in der Gemeinschaft  und die Entwicklung der uns anvertrauten Menschen werden immer im Team getroffen. Angehörige  und gesetzliche BetreuerInnen verstehen wir als gute PartnerInnen, denen wir auf Augenhöhe begegnen. Wir handeln im Einvernehmen mit ihnen. Ihre Verantwortung als BezugsbetreuerInnen für einen Ihnen besonders anvertrauten Menschen nehmen unsere MitarbeiterInnen verbindlich und  zuverlässig wahr. In Konflikten, in denen sie den guten Willen des Anderen nicht finden können, holen sie  im Team und bei der Leitung Rat.  Im Falle nicht lösbarer Teamkonflikte besteht die Erwartung, dass sie Supervision, Enneavision und/oder externe Beratung in Anspruch  nehmen.

 

 

 

 

Wohlwollen  in der Arbeit mit uns anvertrauten Menschen

 

 

Die uns anvertrauten Menschen sind ehrlich, direkt, authentisch.  Mit ihren Entwicklungen und Fortschritten bewirken sie große Freude und Anerkennung. Unabhängig von ihrem jeweiligen Teilhabebedarf ist jedeR vor allem eine individuelle Persönlichkeit mit einem je individuellen Charakter/Muster. Dies kennen, verstehen, und wertschätzen zu lernen, braucht Zeit, Geduld, und Bereitschaft zur Weiterbildung und Selbstentwicklung.

 

Wir arbeiten zusammen mit Menschen in jedem Lebensalter.

 

Im Kindesalter steht dabei die Förderung von Teilhabefähigkeiten im Vordergrund mit dem Ziel, eigenständiger für sich und in einer Gemeinschaft handeln und verstehen zu lernen.  Wohlwollen heißt für uns, achtsam zu sein für das, was das einzelne Kind jetzt braucht, auch wenn es dies nicht passend ausdrücken kann und dafür, wie wir dies mit Rücksicht auf die Gemeinschaft jetzt oder zu einem alternativen Zeitpunkt umsetzen können. Wir melden dies dem Kind zurück und bieten Lösungen an, die für die Sitation angemessen sind. Wenn wir ein Verhalten nicht verstehen, suchen wir in internen Beratungsgesprächen gemeinsam nach Lösungen.

 

Dass wir Menschen häufig über Jahrzehnte begleiten, betrachten wir als Geschenk und große Chance. Wohlwollen bedeutet in diesem Zusammenhang, das entgegengebrachte Vertrauen zu schätzen, die jeweiligen Entscheidungen zu verstehen und zu akzeptieren, Zeit zu haben und vor allem zuzuhören

 

Die uns anvertrauten erwachsenen Menschen bestimmen selbst, wie sie leben möchten. Dies ist ganz in unserem Sinne. Darin unterstützen wir jede/N einzelne/N  und die Gruppe. Klare Grenzen setzen wir im Falle von Selbst- und Fremdgefährdung und  der Gefährdung des „Wir“.  Die uns anvertrauten Menschen haben Träume und Hoffnungen, für deren Verwirklichung sie unsere Unterstützung brauchen und gerne erhalten.

 

Menschen, die bei uns ihr Zuhause haben, leben so lange bei uns, wie sie dies wünschen.  Unser Wohlwollen hängt nicht von stetiger Weiterentwicklung und Fortschritt ab, sondern gilt auch dem erfüllten Leben, dem Bedarf an Pflege und Beistand.  Für die Begleitung sterbender Menschen und die  Gestaltung eines würdevollen gemeinsamen Abschieds sind wir bereit und erfahren.

 

Wir bieten unseren fachlichen Rat an, ohne es besser zu wissen.

 

Als Selbsthilfe bieten wir den Austausch auf Augenhöhe, das Teilen besonderer emotionaler Herausforderungen und Solidarität im Alltag unter allen Menschen, die dies wünschen.

 

Wir begleiten Menschen auch in Auseinandersetzungen mit Leistungsträgern, wenn sie sich dies wünschen.

 

 

 

Wohlwollen als Verein und Arbeitgeber

 

 

Wohlwollen bedeutet, Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen und deren  Angehörige als ExpertInnen in eigener Sache zu schätzen. Mehrheitlich stellen sie aus ihrer Mitte den Vorstand und treffen alle wichtigen Entscheidungen. Die Lebenshilfe stellt damit ein hohes Maß an Mitbestimmung Betroffener auch in der Zukunft sicher.

 

Mitglieder des Vorstandes sind oft auch (gesetzliche) Angehörige. Interessenkonflikte, die daraus entstehen können, werden offen kommuniziert.

 

Ehrenamtliches Engagement der Mitglieder wird geschätzt und gefördert. Insbesondere  der Selbsthilfe kommt dabei eine hohe Bedeutung zu.

 

Der Maßstab der Lebenshilfe – auch als Arbeitgeberin - ist das Wohlergehen der ihr anvertrauten Menschen.

 

Die Lebenshilfe als Arbeitgeberin ist sich bewusst, dass die Qualität aller Dienstleistungen für geistig beeinträchtigte Menschen vor allem durch ihre MitarbeiterInnen garantiert wird.  Wohlwollen bedeutet in diesem Zusammenhang, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die MitarbeiterInnen ermöglichen, in Balance zu bleiben. Dies geschieht durch angemessene Stellenpläne, Einhaltung tarifrechtlicher und gesetzlicher Regelungen, wertschätzende Kultur, transparente Entscheidungen, ehrliche Kommunikation, enneagrammatische Sichtweise. Soweit dies wirtschaftlich möglich ist, stellt die Lebenshilfe Fortbildung, Supervision, Enneavision sicher.

 

Die Lebenshilfe Bad Kreuznach versteht sich als politische, überparteiliche Interessenvertretung geistig beeinträchtigter Menschen und ihrer Angehörigen.

 

 

 

Das Leitbild wurde unter Beteiligung aller Mitarbeitenden, die dies wünschten,  dem Betriebsrat, dem Vorstand und den Leitungskräften der Lebenshilfe beginnend im Januar 2018  in drei mehrtägigen Fortbildungen und vier Leitbildtagen gemeinsam entworfen.

 

Das Leitbild der Lebenshilfe Bad Kreuznach e.V. wurde in der Sitzung des Vorstandes der Lebenshilfe am 27.11.2018 einstimmig beschlossen.